A L Y E S K A oder ALASKA wie es die Amerikaner nennen

Alaska ist riesig, Österreich hat mehr als zwanzigmal Platz darin. Es leben wenig Menschen hier, etwa 500.000 teilen sich das Land. Das Land gehört Amerika, leider ist Kanada dazwischen - doch das stört die Amerikaner wenig. Es ist wie mit Hawaii, das liegt weit im Pazifik draußen und gehört auch Amerika. Das beweisen die Amerikaner jedes Jahr, immer und immer wieder, wenn sie dorthin reisen. So wie nach Alaska, wohin jeden Sommer tausende Wohnmobile, Camper Vans, Pickups und Autos mit Zelten über den Highway durch Kanada brausen, dort nichts anschauen oder gar mal einen Tag bleiben - oh nein, es muss schnell gehen nach Alaska!

Sind dann alle dort - das ist so Ende Juli, Anfang August - treffen sie zusammen. An bestimmten Punkten am Ende einer Halbinsel oder am Hafen oder sonst einem sehenswerten Ort. Dort treffen sie sich und erzählen, was sie alles erlebt haben:

"Have you been there? Ohh, it’s beautiful! Did you see this? Ooh, it was lovely! And the weather? Isn't it marvellous?"

So lautet die Kurzbeschreibung von Alaska, jedenfalls eines Großteils der amerikanischen Reisenden. Ja und über noch was wird gesprochen: mileage, gas, 4WD, how fast, horsepower etc. - richtig: es geht ums Auto. Da denken wir Europäer, dass nur bei uns daheim der Autokult betrieben wird und haben damit völlig unrecht. Hier in Amerika, und ganz besonders hier in Alaska ist es nicht Kult, nein es ist POWER! Sind es in Europa die gestressten Berufstätigen, welche sich tagtäglich auf der Straße duellieren - 3 Sekunden hier, 8 Sekunden da, noch schnell den Laster überholt - hier in Amerika ist das ganz anders.

Da erwacht das wahre Fahrtalent in den Ferien und es wird ausprobiert und praktiziert, was daheim in Kalifornien oder in Ohio oder sonst wo niemandem einfallen würde. Oder doch?

Jedenfalls hier in Alaska bläst ein anderer Wind auf dem Highway, ja es stürmt manches Mal so richtig. Am besten erkennt man dieses "Schlechtwetter" im Rückspiegel, da wird vorwurfsvoll aufgefahren, dann wird tänzelnd getadelt - dabei wird der doppelte Mittelstreifen mehrmals überfahren - manchmal sind noch zusätzliche Lichtsignale erkennbar. Schließlich wird überholt und das mit ganzer POWER und an den unübersichtlichsten Kurven.

Das nennt man dann den wahren Helden der Straße, wenn er von A nach B in der fast unmöglichen Zeit..., und mit einer wahrhaft imposanten Tagesmeilen Leistung...! Das sind amerikanische Ferien, die Erlebnisse finden auf der Straße statt oder höchstens noch im Sichtbereich links und eventuell halb verdeckt durchs Armaturenbrett auch rechts. Die erzählt man dann zu Hause und hat eventuell noch einige Polaroids oder ein Video dabei. Oder die tollen Kodak Panorama Bilder aus der Wegwerfkamera, welche gottlob auch gleich die Negative entsorgt.

Jetzt taucht natürlich unweigerlich die Frage auf: was suchen und sehen Reisende in Alaska denn nun wirklich? Hier muss man die Ausnahmen unter den vielen Touristen erwähnen (auch ein Mainland American gilt als Tourist). In erster Linie eine Menge Radfahrer, die aus weißwasfür Gründen in den abgeschiedensten Winkeln auftauchen, mit oft grauslichem Wetter fertig werden müssen und schier unmenschliche Strapazen auf sich nehmen. Nicht zu vergessen, die Abgase und den Staub den die rasenden Motortouristen auf ihnen abladen. Auch sind viele Wanderer unterwegs, oft tagelang über Berge und durch Täler, vorbei an klaren Flüssen und Seen, das Zelt an den schönsten Plätzen aufgestellt. Und dann noch diejenigen, welche mit dem Kanu gemächlich einen Fluss hinabfahren oder über den stillen See gleiten und am Abend bei einem kleinen Lagerfeuer dem Rufen des Eistauchers lauschen.

Natürlich sind auch viele Motorisierte unterwegs, die die Einsamkeit und die fast unvorstellbare Weite dieses Landes genießen. Ihnen begegnet man auch nur an einsamen und entlegenen Plätzen, die lediglich einem suchenden Reisenden vorbehalten sind. Diese Menschen haben oftmals die gleichen Interessen und sehen in der Natur ein Geschenk, welches sie dankbar annehmen.

Eine weitere Spezies der Hektik-Touristen ist der sogenannte Sports man. So bezeichnet man jenen Menschen, der mit einer Waffe in den Händen einem Tier gegenübertritt. Vielleicht ist Gegenübertreten nicht der richtige Ausdruck, denn mit der Schusswaffe wird ja hauptsächlich aus dem Hinterhalt gezielt und abgedrückt. Offen, das heißt nicht verdeckt tritt der Schütze nur dann auf, wenn es sich um Tontauben (aus Plastik) handelt. Da werden stundenlang hübsch gefärbte Scheibchen in die Luft geschleudert und jedes mit zwei Schüssen erlegt. Meist landet das schwer verrottbare Ding unversehrt im Fluss oder im Gebüsch, wo es Jahre weiterexistiert.

Eine andere Waffe ist die Angel, und zwar jene zum Fische fangen. Sie gehört zur Ausrüstung des Amerikaners wie das Taschenmesser zum Pfadfinder. Es gibt Spezialgeschäfte, die bieten auf 500 qm Verkaufsfläche alles nur Erdenkliche für den wackeren Petrijünger an. Die trifft man dann zu Hunderten am Wasser, und zwar dort, wo der Radiosprecher am Morgen verkündet hat, dass sich dieser und jener Fisch an der und der Mündung vorbeiwagt. Sportfishing Report heißt die Sendung und dauert für den Raum um Anchorage meist 10 Minuten und mehr. Dieser Report ist auch Grund für den Weekend Jam in manchen Gegenden, wo es um 9.00 Uhr vormittags keinen Parkplatz mehr gibt und die gummibehosten Angler Schulter an Schulter am und im Fluss stehen. Wie gesagt: das sind sports men, und das sind sie an jedem Platz in Amerika! Deshalb ist nicht sicher, dass ausgerechnet sie vom Land Alaska viel sehen.

 

 

Eine oft gestellte Frage ist jene, ob man Tiere gesehen hat. Mit Tieren sind natürlich nur die größeren Gattungen gemeint und vor allem die gefährlichen - Bären zum Beispiel. Es gehört für den Amerikaner zum absoluten Muss, hier in Alaska unbedingt einen Bären zu sichten. Nur so erkläre ich das ständige Fragen: "Did you see a bear?"

Dass man hier geradezu umzingelt sein muss von Bären, zeigen die unendlichen Sicherheitshinweise in Besucher-Zentren, auf Campingplätzen, in Ranger Stationen und sogar bei den Toiletten der Rest Areas entlang der Straßen. Sicherlich darf man als Besucher nicht alles auf die sogenannte leichte Schulter nehmen, doch ein ganz klein wenig Verständnis vorausgesetzt und das sogenannte Problem erscheint in gänzlich anderem Licht. Nämlich dann, wenn ein seriöser Report berichtet, dass es in den vergangenen 70 Jahren in Alaska nur 26 bekannte Fälle von Bärenkontakt mit tödlichem Ausgang für den Menschen gegeben hat. In der gleichen Zeit sind hunderttausende Karibus, Elche, Wölfe, Luchse und auch Bären von Menschen getötet worden! Und ein Schild am Sterling Highway berichtet von 312 Elchen, welche im letzten Jahr von Automobilisten ins Jenseits befördert wurden!

Zurückkommend auf die Anzahl derjenigen Touristen, welche ihr Abenteuer Alaska aus dem Auto heraus erleben, sollten diese 800 oder 1000 nicht unerwähnt bleiben, welche am sogenannten Spit of Homer an der Südspitze der Kenai Peninsula in Reih und Glied auf diversen Camps und RV- Parks aufgefädelt stehen, zumeist mit Schlauch und Kabel am sogenannten Hookup hängend und die TV Antenne ausgefahren. Ihnen bleibt von Alaska nichts verborgen, bequem und gemütlich liefert der Videorecorder alle Highlights ins Motorhome. Bereits für $ 9.99 ist in jedem Supermarkt eine 60 Minuten Kassette erhältlich, darauf wird dem Käufer alles ins Haus geliefert, was er sich bereits vor der Anreise insgeheim gewünscht hat:

Eine unvergleichliche Bergwelt mit den imposantesten Gletschern die je ein Mensch erblicken kann, herrliche Tieraufnahmen aus nächster Nähe und in wunderschöner Umgebung. Seen, Flüsse und Wasserfälle von einmaliger Vielfalt und nicht zuletzt eine Lobpreisung auf Mutter Natur, indem die Bemühungen des Menschen zur Erhaltung eben dieser in Form von National Parks, Wildlife Refuges und Sanctuaries etc. erwähnt werden.

Das ist auch Alaska, für $ 9.99 (plus Steuer).

Und da gibt es noch "Touristen", die 10.000 km weit fahren um dies mit eigenen Augen zu erleben?

 


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