Reisetagebuch August 2008

01. bis 08. August - zurück im Yukon

Seit einigen Tagen plagt sich unsere Rosinante in der Früh beim Starten. Die Ursache ist nicht zu finden, wir müssen bis Whitehorse abwarten, dort gibt es eine Ford-Werkstätte. So vermeiden wir einstweilen "Abseits-Campplätze", denn man weiß ja nie...

Der Alaska Highway ist im Yukon Abschnitt in den letzten Jahren Stück für Stück erneuert worden, die Kilometerschilder sind neu angebracht. Das stimmt natürlich nicht mehr mit unseren Aufzeichnungen überein und - was noch ärgerlicher - auch nicht mit den Informationen, die man Vorort in den Besucherzentren bekommt. So ist alles einfach Neuland für uns, wir freuen uns schon auf den Beginn des Kluane National Parks, an dem entlang der Highway geführt wird. Immerhin "kann" man (ihr wisst bereits was jetzt kommt) von hier die Gipfel von Mount St. Elias (5489m) und Mt. Logan (stolze 6050m) sehen. Nun gut, es bleibt beim "kann", denn dichte Wolkenbänke wälzen sich genau entlang der Gebirgskette. Nach einer Nacht in Burwash Landing (sicherer Campplatz) am Kluane Lake klart es etwas auf, die blaue Farbe des Wassers ist stellenweise erkennbar. Ebenfalls erkennbar, und das sofort, ist das Anhalten von Autos vor uns am Highway. So wie eben, als ein PKW an den Rand fährt und die Warnblinker einschaltet. Zehn Sekunden später sind wir auch zur Stelle: ein Grizzly Weibchen mit zwei Cubs!!! Seelenruhig an der Böschung runter zum See rupfen die drei schmackhaftes Grün und lassen sich durch nichts und niemand stören. Jetzt kommt uns der Umstand zugute, dass der Highway relativ wenig befahren ist (eine Baustelle 4 Meilen weiter hilft auch), denn es gibt keinen Gegenverkehr - einzigartig! Brenzlig wird es erst, als hinter uns vier Motorräder auftauchen, diese vor uns einschwenken und die lederbehosten Lenker allesamt absteigen und zu den Bären gehen!!! Sorry Guys, aber das was ihr jetzt macht ist grenzenlose Blödheit und da hilft auch die dicke Hose nichts. Gottlob wird's der Grizzlyfamilie nun doch zu viel und sie trollt sich in die Büsche direkt hinunter zum See. Für uns das Zeichen zur Weiterfahrt, aber nur etwa 300 Meter und dann auf die linke Seite des Highways in eine Parkbucht. Und die Füchse sind wieder mal die Schlaueren: Die Bärenfamilie wandert nun am Ufer entlang genau in unsere Richtung. Nun werden Steine umgedreht und nach Essbarem darunter gesucht. Das Weibchen macht es vor und die beiden Jungen wiederholen es - so kommen sie langsam näher. Vom vorigen Standort (mit den leichtsinnigen Bikern) sind sie nicht sichtbar, daher auch keinerlei Hektik mehr bei den Bären. Ein wahrhaft wunderbares Erlebnis, das für etwa drei Minuten uns allein gehört!

Die vorher erwähnte Baustelle erstreckt sich um die gesamte Südbucht des Kluane Lakes und wird hinter einem Pilot Car durchfahren. Das heißt, man wartet am Anfang der Baustelle zusammen bis ein Auto mit Schild hintendrauf follow me (ist doch was Nettes!) erscheint, dieses fährt dann voraus und kurvt an den schweren Baumaschinen vorbei, alle anderen folgen mit Sicherheitsabstand. Beim Gegenverkehr funktioniert das genau so - und deshalb haben wir relativ lange ungestört unsere Bären beobachten können.


An Haines Junction vorbei wird der Alaska Highway nun fast wie eine Autobahn geführt, wir nähern uns Whitehorse dadurch schneller als geplant. Doch halt - nicht ganz bis Whitehorse, denn bei Kilometer 1443 biegen wir ab zu Muktuk Adventures. Der Platz wird auch genannt: "Für Menschen, die Hunde lieben", und manche werden es bereits erraten haben. Es ist eine Zuchtstation für Schlittenhunde und es stellt sich die Frage:

Was machen Schlittenhunde eigentlich im Sommer?

Das ist der Titel eines Beitrages im Alaska-Yukon Reisemagazin, welches wir in einem der Besucherzentren erhalten haben (danke an die Redakteurin Christine Mader aus der Schweiz, die seit 12 Jahren in Whitehorse lebt). Und solche Geschichten machen neugierig, besonders dann wenn es um Tiere geht. So landen wir bei Muktuk und seinem Besitzer Frank Turner, der als einziger Musher der Geschichte den Yukon Quest 24 Mal in Folge gefahren hat. Yukon Quest ist ein internationales Schlittenhunderennen das jährlich im Februar gestartet wird - es ist mit 1690 Kilometern das längste Rennen weltweit (ja, auch länger als die Iditarod) und führt entlang des zugefrorenen Yukon-Rivers von Whitehorse nach Fairbanks in Alaska. Frank hat dieses Rennen im Jahr 1995 mit der sagenhaften Zeit von 10 Tagen, 16 Stunden und 18 Minuten gewonnen - dieser Rekord hielt dann für 12 Jahre!

Die Führung beginnt um 13:00 Uhr, Manuela, die Kennel-Managerin (aus Deutschland) wird uns die folgenden Stunden alles über Muktuk erzählen. So wird gleich einmal erklärt, warum in der Anlage (Zwinger klingt einfach nicht gut) 121 Hunde leben. Frank Turner behält jeden Hund, weil er sich einfach nicht trennen kann - er gibt auch keinen Hund an so genannte Freizeit-Musher weiter, auch dann nicht wenn sie zu alt für Rennen sind. So gibt es eine eigene Abteilung für die retired huskies, die im Gegensatz zu den anderen ständig frei herumlaufen können. Apropos Huskies - da gibt es die unterschiedlichsten Rassen. Hier werden nur Alaska-Huskies gezüchtet ohne Rücksicht auf Aussehen oder reine Rasse, es fließt viel verschiedenes Blut in den Adern dieser Tiere. Einzig der Charakter des Tieres ist wichtig und diese verschiedenen Charaktere lernen wir jetzt kennen, als wir zu einem Spaziergang an den Takhini-River aufbrechen. Jeweils die Hunde eines Teams begleiten die Besucher, die Wahl welches Team nun heute an der Reihe ist, wird mit Geheule und lautem Bellen eingeleitet. Sind einmal die Leinen los, gibt es kein Halten mehr. Während wir zum Wasser schlendern und uns Manuela über das Verhalten der Tiere erzählt, flitzen die Vierbeiner durch die Büsche und wieder zurück, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Huskies sind keine Schwimmer, aber Wasser lieben sie über alles - besonders jetzt im Sommer ist es eine willkommene Abkühlung.

Auf die Frage, ob Männchen oder Weibchen ein Team dominieren, lautet Manuelas Antwort, dass man das als Hundeführer selbst herausfinden muss. Das beginnt im Herbst, wenn es kühler wird und das Training anfängt. Im Prinzip kann jeder Hund an jeder Stelle des Gespanns laufen, auch als Leithund ganz vorne. Ein Team für den Rennbewerb besteht aus 14 Hunden, für die Gespanne mit denen die Gäste unterwegs sind, werden 6 Hunde eingesetzt. Es liegt nun am Gespür des Mushers, die richtige Mischung herauszufinden und die unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Huskies zu erkennen. So gibt es Hunde, die auf Schnee ohne Probleme als Leithund dahin ziehen - aber eine Eisfläche bereitet dann Schwierigkeiten. Amüsant dann die Erklärung, dass weibliche Hunde stur ihre Richtung einhalten, die Männchen allerdings immer links und rechts schauen und sich gerne ablenken lassen...

Im Haus sehen wir anschließend ein Video über das berühmte Yukon Quest Rennen. Was hier von Tier und Mensch geleistet wird, ist mit Worten schwierig zu beschreiben. Allein die Temperaturen von minus 40 Grad und darunter erfordern viel Überwindung und körperliche sowie geistige Stärke. Was empfindet ein Musher, wenn er ganz auf sich allein gestellt stundenlang durch Schnee und Eis unterwegs ist? Fragen über Fragen, die im Film ausführlich beantwortet werden - ein tiefer Einblick in Selbstmotivation und Willenskraft.
Danach zeigt uns Manuela einen Rennschlitten und Teile der Ausrüstung, welche am Rennen mitgeführt werden. Spezielle Kocher zur Zubereitung des Hundefutters, Behältnisse mit dreifacher Isolierung, dick gefütterte Parkas und Schuhe und auch die Schuhe für die empfindlichen Hundepfoten. Auch Salben, Cremen und ölige Lotionen für die Pflege gehören zur Ausrüstung.
In 30 Minuten beginnt die Fütterung. Da wollen 121 Mäuler etwas zwischen die Zähne und das muss vorbereitet werden. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass während des Sommers viele so genannte volunteers auf der Farm mithelfen. So treffen wir junge Leute aus Korea, Japan, Frankreich, Schweiz und Deutschland - und allen macht es sichtlich Spaß. Heute gibt es als Nachtisch Fisch und das weiß auch ein Bald Eagle, der bereits auf dem Ausguckbaum Stellung bezogen hat. Manuela platziert den Fisch auf dem Weg und da holt sich der Adler im Flug seine Beute. Nur heute nicht - zu viel Wirbel und Fotografen, die darauf warten. Mittlerweile ist es Abend geworden und wir fragen, ob am Gelände für unsere Rosinante wohl ein Plätzchen für die Nacht vorhanden ist. "Ja natürlich, gleich diesen Weg runter, oberhalb des Flusses ist eine Lichtung, da könnt ihr gerne stehen." Es ist ein Traumplatz, wie er sonst nur in Prospekten zu finden ist - ein schöner Abschluss an einem spannenden Tag!

Wer jetzt noch mehr über Muktuk Adventures wissen will: www.muktuk.com

Ein Spruch an der Einfahrt hat es uns angetan: "If you're not the lead dog, the view never changes" - mehr Weisheit braucht's eigentlich gar nicht...


Rosinante und die Startprobleme - wir sind in Whitehorse bei der Ford Werkstätte. Da werden wir abgewiesen, zu viele Termine vor uns, erst in 10 (!!!) Tagen möglich. Irre was? Da steht man als Reisender irgendwie daneben. Es wird uns die Adresse einer anderen Werkstatt genannt, dort schaut ein Mechaniker eine Stunde lang unter die Motorhaube, findet nichts und das war's! Nein nicht ganz: CAD 72.00 für die Inspektion werden verrechnet! Wir bleiben zur Vorsicht noch eine Nacht in der Stadt und prompt am nächsten Morgen bleiben alle Startversuche vergeblich. Wir brauchen einen Abschleppdienst - diesmal bestehe ich darauf, in der Ford-Werkstatt nach dem Grund zu suchen. Unser Truck ist nun ein emergency case - ein Notfall, weil abgeschleppt. Trotzdem werden wir hingehalten und von Stunde zu Stunde vertröstet. Das Blöde dabei: Ich darf mich gar nicht aufregen, denn dann geht gar nichts mehr. Es geht auch ohne Aufregen nichts mehr am heutigen Tag, ich lade die Kabine ab und es gibt Camping am Parkplatz. Das Auto wird in die Werkstatt gebracht und morgen früh, wenn der Motor kalt ist, überprüft. Das Ergebnis: nichts gefunden! Beim ersten Startversuch springt der Motor an, alles ok! Auch die Diagnostik per Computer zeigt nichts Auffälliges. Nur die Rechnung fällt auf: CAD 109.00 sind diesmal fällig und wir sind so gescheit wie vorher. Nicht ganz: Denn ein winziger Hinweis des Mechanikers war dabei. So ganz nebenbei erwähnt er, dass die Treibstoffpumpe (sie ist im Tank eingebaut) manchmal beim Starten auslässt, d.h. sie pumpt nicht genug Benzin nach vorne. Ich zähle eins plus eins zusammen - das ist die Lösung! Nun wird die Zündung dreimal hintereinander eingeschaltet, die Pumpe arbeitet ebenfalls dreimal und der Motor läuft! Das hätten wir billiger haben können...


Der Alaska Highway ist erneut unter den Rädern von Rosinante, wir machen wieder am Teslin Lake bei Mukluk Annie's Station. Zur Abwechslung gibt es heute ein heftiges Gewitter - nach fünf Tagen Schönwetter mal was Neues! Nein ehrlich - seit wir uns von den Pazifik Bergen entfernt haben, können wir uns gar nicht beklagen. Auch temperaturmäßig liegen wir ausgezeichnet: gestern, Mittwoch 24° und heute wohlige 27° - vor dem Regen.

Einige Kilometer weiter, im Ort Teslin, besuchen wir das Teslin Tlingit Heritage Centre, wo einige engagierte Leute vieles aus der Geschichte der First Nation (der Ureinwohner) gesammelt haben und in einer Ausstellung präsentieren. Die Geschichte über die Entstehung und Weiterentwicklung unseres Planeten, sowie der Sonne, der Sterne und des Mondes ist einer uralten Überlieferung entnommen und wird hauptsächlich dem Raben zugeschrieben:

>>Ein Rabe fliegt über die Wälder und entdeckt eine einsame Hütte, wo ein Mann mit seiner hübschen Tochter wohnt. Da er als Vogel aber keinen Zugang zu Menschen hat, verwandelt er sich in eine Tannennadel und lässt sich den Fluss hinunter treiben. Das Mädchen schöpft Wasser, trinkt es anschließend und verschluckt dabei die Tannennadel. Neun Monate später schenkt sie einem Wesen halb Junge, halb Rabe das Leben - ihr Vater ist dennoch sehr froh über den Nachwuchs.
Im Haus stehen drei große Truhen. Der heranwachsende Jüngling will unbedingt deren Inhalt wissen und damit spielen, der Großvater erlaubt ihm nach langem Nachdenken die erste Truhe zu öffnen. Tausende kleine, blitzende Lichter entströmen der Kiste und schweben hinauf zum Himmel - die Sterne haben ihren Platz gefunden. Die junge Mutter ist ganz entsetzt, der Großvater nachdenklich, denn er hat ein Geheimnis verloren. Der Jüngling möchte nun die zweite Truhe öffnen. Nach langem Betteln erlaubt ihm dies schließlich der Großvater. Langsam schwebt der Mond heraus und durch das Dach des Hauses weit hinauf in die dunkle Nacht, die plötzlich ein mildes Licht erhält. So sehr das auch den Jüngling begeistert, seine Mutter und der Großvater sind sehr ärgerlich darüber. Denn nun ist das zweite Geheimnis ebenfalls gelüftet. Nun möchte der junge Knabe auch die dritte Truhe öffnen, doch das wird ihm weder vom Großvater noch von seiner Mutter erlaubt. Als er einmal allein im Haus ist, verwandelt er sich gänzlich in einen Raben, schleicht zu dieser Truhe und öffnet sie. Kaum ist der Deckel weg, strömt das Tageslicht heraus, verbreitet sich im Haus und dann später im ganzen Wald - es ist zum ersten Mal hell und die Welt zeigt sich in ihrer ganzen Pracht mit tiefblauen Seen, sattgrünen Wäldern und schneebedeckten Bergen. Der junge Rabe entfaltet nun seine Flügel und erhebt sich in die Lüfte - er hat Sonne, Sterne und Mond an deren Platz verholfen und er kann nun wieder als Vogel weiter leben.<<

Am Seeufer ist ein größerer Schuppen gelegen, darin wird gerade ein riesiges Kanu bemalt. Die Motive sind vorgegeben und entstammen ebenfalls den Überlieferungen der Alten. Lediglich das Material des Bootes hat sich grundlegend geändert: Heute wird es aus Polyester gefertigt. Nicht nur, weil geeignete Baumstämme aus dem Süden der Provinz erst herauf transportiert werden müssten - Polyester ist wesentlich leichter als Holz und bei traditionellen Bootsrennen von großem Vorteil...

Watson Lake ist ein so genannter Etappenpunkt für uns - hier waren wir vor sieben Wochen. Nun ist die erste Schleife vollendet und es geht ab jetzt zuerst südwärts nach British Columbia und dann nach Osten in die Provinz Alberta. Seit Lakeland in Florida sind 13.600 km mehr am Tachometer, trotz Einsparungen in Alaska. Unser Zeitplan passt dennoch sehr gut, wir reisen dem Sommer in Kanada entgegen! Aber vorher besuchen wir nochmals den Sign Post Forest, wo wir ein sehr heimatliches Schild entdecken!
Ach ja, da sind wir noch eine Erklärung schuldig: Das Schild mit dem "Salzkammergut Radweg" mit Abzweigung nach Anthering haben wir ja wieder mitgenommen. Es hängt jetzt in Dawson City, genauer bei Eva und Bernd Schmid und ist die Fortsetzung des TransCanadaTrails...

Grizzlybär Mama

Zwischen See und Straße befindet sich viel Grünfutter an der Böschung

 

Grizzlybär Familie

Brav folgen die Jungen ihrer Mutter, obwohl es da hinten doch was zum Sehen gibt?

Grizzlybär Familie

Stein für Stein wird umgedreht und darunter nach Leckerbissen gesucht

 

Muktuk Kennels

Mit treuherzigem Blick werden Gäste empfangen
 

Muktuk Kennels

bei 121 Hunden in der Anlage ist immer was los
 

 

Muktuk Kennels

Eine willkommene Abwechslung ist das Herumtollen im Takhini River

Muktuk Kennels

Junger Husky heute - der Leithund von morgen?
 

 

Bald Eagle

Er weiß, dass es heute Fisch gibt und wartet geduldig auf seinem Aussichtsbaum

Takhini River

Vor unserem Camp fließt gemächlich der Takhini vorbei - beliebt bei Kanu-Wanderern

 

Squirrel

Wenn schon Gäste am Camp, dann wollen die auch besucht werden!

Black Fox

Auch dieser Fuchs inspiziert den Platz - er gehört schon zur Familie bei Muktuk

 

Ford Werkstätte

Nicht des Campers Freude ist eine Übernachtung am Parkplatz einer Werkstätte

Teslin Tlingit Centre

Der Rabe brachte das Licht, den Mond und die Sterne zu den Menschen

 

Watson Lake Sign-Post-Forest

Den Anbringer der Schrattenberg Ortstafel werden wir noch ausfindig machen

Alaska Highway

Es sind noch 1002 Kilometer bis nach Dawson Creek an den Anfang des Highways

 

Alaska Highway

Teile des erneuerten Highways führen nun durch Täler und verkürzen so die Reiseroute

09. bis 14. August - Alaska Highway von Watson Lake nach Dawson Creek

Wir sind wieder in British Columbia und unsere Aufzeichnungen von der Reise im Jahr 1997 liegen neben den Straßenkarten. In diesen steht nichts von einer Bisonherde, denn erst im Jahr '98  wurden sie in diesem Gebiet wieder angesiedelt. Heute leben etwa 450 dieser mächtigen Tiere entlang des Smith Rivers und bei drei angrenzenden Seen. Wir haben Glück: Bei der Querung des Flusses sind etwa 100 Meter entfernt Bisons zu sehen. Wir parken nach der Brücke und gehen ein Stück zurück. Von der Straße vorher nicht sichtbar weiden noch etwa 40 Tiere direkt am Ufer in einer sattgrünen Wiese. Mit Respektabstand ist die Kamera nun im Einsatz...

Liard Hot Springs - die heißen Quellen im dichten Wald - sind ein "Muss-Stopp" für den geplagten Autofahrer. So wurden sie jedenfalls in früheren Jahren beworben, als der Highway noch eine Rumpelpiste war und man gerne diese Pause eingelegt hat. Wir nützen jedenfalls den angeschlossenen Campground und genießen am Abend das sehr warme Wasser im Alpha Pool - Betonung auf sehr, denn bei 40° kommt man sich leicht gekocht vor! Dermaßen entspannt und mit gelockerten Muskeln fahren wir in die Provincial Parks Muncho Lake und danach Stone Mountain. Nicht weit vom Highway entfernt befinden sich so genannte Mineral Licks, wo Karibus und Bergziegen ihren Bedarf an Mineralien stillen. Da relativ wenig Verkehr ist, sind die Tiere recht keck auch auf der Straße unterwegs und erst knapp vor dem Fahrzeug weichen sie in die Büsche aus, um dort geduldig auf unsere Weiterfahrt zu warten!

Stone Mountain Park haben wir in bester Erinnerung, denn es gibt da einen besonderen Platz am McDonald Creek zum Übernachten. Lagerfeuer, Fleisch in der Pfanne, Ursula spielt die Gitarre, der Fluss plätschert vorbei und die Sonne versinkt spät hinter den Bergen. Das ist doch Romantik pur, oder? Doch heute mischt sich Regen dazu und es bleibt beim Plätschern im Doppelpack: einmal Fluss und einmal von oben. Feuer, Fleisch, Gitarre und Sonne gibt es nur im Text...

Am Morgen dann strahlender Sonnenschein und endlich wieder eine Wanderung in Aussicht. Zuerst entlang des Summit Lake und dann über eine Hügelkette hinüber ins Tal des Nord Tetsa Rivers. Der entspringt beim Spring Flower Lake und hier liegt unser Ziel unterhalb Mt. St.George. Wilde Wolkenstimmungen am Nachmittag erinnern an die Unwetter der vergangenen Nacht und machen es dann recht dramatisch, doch wir schaffen es retour bis ins Tal ohne nass zu werden. Einige Kilometer weiter gibt es eine Stichstraße ans Flussufer - das wird unser heutiger Campplatz und zwar mit Lagerfeuer und Sonnenuntergang!
Wir haben am Abend zwar die Baumaschinen entlang des Highways gesehen, aber so was gehört mal zum Alltag einer Straße. Nicht gesehen haben uns aber die Arbeiter, die nun fröhlich die Maschinen in Bewegung setzen und die erwähnte Stichstraße zu unserem Flusscamp in der ganzen Breite aufgraben! Es ist 9:00 Uhr morgens und durch den Lärm aufgeschreckt gehe ich nachschauen und stehe nun vor einem Erdwall - etwa 50 cm hoch. Und der Bagger ist schon weg! Was tun? Doch da taucht ein weiteres Gerät auf, buddelt ein Kabel in den Graben und hinten nach schert ein Caterpillar die Erde wieder drüber. Der Fahrer grinst, ich auch.

Eine lange Fahretappe bringt uns zügig südwärts. Die Abzweigung zum Duhu-Lake stimmt mit unseren revidierten Kilometerangaben wieder überein und nach fünf Kilometern biegen wir ins Forest Camp ein. Hier waren wir bereits mit Hieronymus und im Jahr 2002 mit unserer Rosinante - aller guten Dinge sind drei. Unverändert der Platz und der stille See unterhalb, nur ein weiterer Camper ist anwesend. Irgendwie kommt man da immer ins Gespräch und die Frau macht uns aufmerksam, falls wir "Elchrufe" und "Hirschröhren" vernehmen - dann ist das ihr Sohn. Nein, im Ernst: Der übt für seine erste Jagd und die beginnt am Freitag - das ist übermorgen. Das heißt im Klartext, dass meine Freunde im Camouflage-Dress im Anmarsch sind. Falls jetzt Jäger unter den Lesern sind: Ich mach mich da nicht unnötig lustig, aber das was hier abläuft muss näher beschrieben werden. Also - Camouflage beherrscht alles. Der Hunter hat einen Overall, eine Kappe, Handschuhe und Moskitoweste in Tarnfarbe, sein Fahrzeug ist ebenfalls getarnt und camouflambiert. Ich habe da Jeeps gesehen, da waren sogar die Sitze im Tarnlook. Nein, nicht nur die Sitze: sogar das Lenkrad hatte einen Überzug in grün/braun/beigegelbschwarz...
Besonders erwähnenswert sind die ATV's, die All Terrain Vehicle, wo der Mensch dann überhaupt nicht mehr zu Fuß gehen muss, denn dieses Graffel fährt über Stock und Stein. Hintendrauf sind Reservekanister mit Benzin. Und die sind normalerweise in roter Farbe. Weil das Gesetz es so vorschreibt. Nun ist aber die Farbe Rot nicht gerade unter die Tarnfarben einzuordnen und deshalb gibt es da ganz was Schlaues: ein Überzug aus Stoff, Farbe? Erraten: Camouflage! Man glaubt es nicht, aber getarnte Benzinkanister sind der letzte Schrei. Da ist das flambierte Leiberl an der Wäscheleine schon Schnee von gestern...

Dawson Creek und die Meile Null am Alaska Highway - für uns ein gutes Ziel mit dem Gefühl, es auch diesmal geschafft zu haben. Das Alaska-Pub an der Kreuzung mit dem Mile 0 Signpost ist schlecht besucht, fast leer (die sind jetzt alle jagen...) und auch zwei Gläser Kokanee Gold lassen keine Stimmung aufkommen. Ein lauer Abend mit dramatischen Sonnenfarben im Westen beschließt diesen Abschnitt, die Gedanken sind noch nicht so weit um auf die weitere Route vorauszueilen. Das hat immer Zeit bis morgen.

Bisons am Smith River

Friedlich grasen diese gewaltigen Tiere am Ufer des Flusses

 

Bisonidylle

Die jungen Kälber sind jetzt etwa 2-3 Monate alt und werden gut umsorgt

Mineral Lick am Trout River

An den Abhängen befinden sich salzige Ablagerungen - bei Bergziegen und Karibus sehr beliebt

 

Mountain Goat

Das Salz ist begehrlich - auch ein Fotograf ist da kein Hindernis
 

Mountain Goat

Eine besonders ergiebige Stelle wird öfters besucht
 

 

Karibu

Auch Karibus tummeln sich bei den Steinfeldern und wechseln öfters über die Straße

MacDonald Creek

Nach heftigem Gewitter ist es am nächsten Morgen wieder sonnig - zu spät fürs Lagerfeuer

 

Stone Mountain Provincial Park

Eine Wanderung zum Flower Springs Lake ist endlich Gelegenheit zum Ausschreiten

Mt. George

Wie alle Berge der Gegend ist auch dieser vulkanischen Ursprungs - Basalt ist an vielen Stellen sichtbar

 

Castilleja oder Indian Paintbrush

Nicht nur im Frühling findet man hier prachtvolle Blumen
 

Stone Mountain

Dunkle Wolken über Mt. St. Paul bewegen uns zum raschen Abstieg ins Tal

 

Duhu Lake

Idyllischer Abend am See - bevor die Jäger kommen!

Schwarzbär im Klee

Wie es Kühen geht, die im Kleefeld grasen wissen wir - aber bei einem Bären?

 

Dawson Creek

Hier beginnt der grandiose Alaska-Highway - für uns ist er hier allerdings zu Ende

Dawson Creek

Der Meilenstein "0" vor dem Alaska Hotel
 

 

Dawson Creek

Mit einer tollen Himmelsstimmung im Westen sagt uns British Columbia "Lebwohl"

15. bis 31. August - Northern Woods and Water Route (NWWR)

Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Northern Woods and Water Route? Es ist eine von privater Hand ins Leben gerufene Association, die es sich zur Aufgabe macht, bestehende Straßen zu verlinken und so neue Reiserouten zu gestalten. In diesem Fall handelt es sich um einen Highway von Dawson Creek/British Columbia durch Alberta und Saskatchewan nach Winnipeg/Manitoba. Insgesamt 2.270 Kilometer durch vier Provinzen Kanadas, zum Teil auf der nördlichsten Route, die mit einem Automobil möglich ist. Die Broschüre dazu befindet sich seit langem bei unseren Reiseunterlagen - jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, diesen Northern Holiday Highway zu befahren.

Doch bevor es soweit ist, gibt es für Rosinante noch einen neuen Stoßdämpfer links vorne und 3 neue rubber bumper, die oberhalb der Blattfedern eingebaut sind. Einer hatte sich schon gänzlich aufgelöst und Metall auf Metall ergibt ein furchtbares Geräusch! Solcherart sanft gefedert passieren wir die Provinzgrenze zu Alberta und richten uns leicht nördlich nach Peace River.

An dieser Stelle möchte ich auf eine Email eingehen, die uns vor einiger Zeit erreicht hat (sorry, antworten geht von unserem Notebook noch immer nicht). Darin wurde gefragt, ob wir ein Navigations-Gerät (ein NAVI ) benutzen. Nun, das hat in einem Kontinent wie Nordamerika und speziell im Norden Kanadas so seine Tücken - siehe unsere Berichte über Telefonempfang und Wireless Internet. Außerdem gibt es ja sehr gute Straßenkarten, wo die wenigen Straßen ganz leicht zu finden sind. Ursula behauptet zwar von sich, dass sie keine Karte lesen kann, doch kaum biege ich mal irgendwo unmotiviert links ab - sagt sie sofort: "Falsch". Und wisst ihr was? Sie hat meistens recht. So funktioniert unser NAVI!


Beim Städtchen Peace River mündet der Smoke- und der Heart River in den Peace River. Oberhalb gibt es einen Aussichtspunkt mit herrlichem Blick über die Flusslandschaft und dieser Platz ist auch zum Übernachten sehr gut geeignet - ein stimmungsvoller Auftakt für die nun folgende Querung Kanadas: vom Pazifik bis zum Atlantik! Stimmt - der Pazifik liegt schon eine Weile hinter uns, doch die Meile 0 des Transcanada Highway in Victoria/Vancouver Island und später dann Prince Rupert auf dem Festland sind die Ausgangspunkte, die wir beide besucht haben.

Samstag in der Früh, wir kurven den steilen Hügel hinunter in die Stadt. Starker Rauch rechts vorne, es stinkt furchtbar, ran an den Straßenrand und raus aus dem Auto: Flüssigkeit rinnt am Reifen herunter auf den Asphalt, der Rauch wird immer mehr - ich renne um den Feuerlöscher. Doch bevor ich diesen aktiviere, lässt der Rauch nach und ich kann die Ursache sehen. Der Bremszylinder ist undicht und Bremsflüssigkeit ist über die heiße Scheibe der Bremse geronnen. Nun Glück im Unglück - die einzige offene Werkstatt am Samstag repariert das Malheur, wenngleich auch mit heftigem "Wochenendzuschlag" bei der Arbeitszeit...

Fast vergessen: Auch die Tourist Info hat am Samstag geschlossen, so gibt es keine neuen Informationen über die NWWR, doch auf der Straßenkarte ist diese ja unverkennbar eingetragen. Sie führt über ein Seenplateau ostwärts zum Lesser Slave Lake und damit in den Freizeitraum von Edmonton. Starker Verkehr beschleunigt ein wenig unser Reisetempo, erst als HWY 2 Richtung Athabasca abzweigt wird es ruhig auf der Straße. Farmland rundum soweit das Auge reicht, zum Teil Viehwirtschaft auf riesigen Weiden, aber noch größer die ausgedehnten Getreidefelder, wo hauptsächlich Gerste und Weizen angebaut wird. Zunehmend dann auch Rapsanbau (Canola), der, wie wir erfahren, fast ausschließlich zur Treibstoffbeimengung dient. Apropos Treibstoff, die Provinz Alberta hat ja nicht umsonst auch den Spitznamen Oilberta erhalten, heute kann man auch noch "Gasberta" sagen. Egal ob man links oder rechts aus dem Auto schaut,  man sieht stets eine Pumpstation oder einen Druckbehälter mit vielen Leitungen rundum in der Landschaft stehen - zwischen Getreide und Rindvieh ein recht beschaulicher Anblick.


Die Stadt Lac La Biche liegt am gleichnamigen See. Im Museum und bei einem Stadtrundgang finden wir etliche Geschichten über den Voyageur David Thompson, der wie kein anderer dieses riesige Seengebiet erforscht hat. Für uns und speziell für mich ist es einfach nicht vorstellbar, wie man sich vor 200 Jahren in diesem Wirrwarr an Wasserwegen zurecht gefunden hat. Man muss sich vorstellen, in einen See in der Größe des Bodensees hinein zu rudern und dann den richtigen Weg wieder hinaus oder die Verbindung zum nächsten See oder einen Fluss oder eine Portage, oder, oder -  auf jeden Fall: den richtigen Weg zu finden! (ohne NAVI...). All' diese Wasserwege dann auch noch kartografisieren und penibel zu benennen war eine echte Meisterleistung, die bis heute - zumindest bei den Namen - erhalten geblieben ist.

So ganz nebenbei erhält unsere Rosinante am "Hirschkuh-See" drei neue U-Joints (Kreuzgelenke) an der Antriebswelle. Das vorderste hinter dem Getriebe hat sich aufgelöst (ein wildes Geräusch war das!), die anderen zwei werden gleich mitgetauscht. So haben nun Ursula, Rosinante und ich alle drei etwas Neues bei den Gelenken...

Nichts Neues gibt es in punkto Informationen über die NWWR. Auch im hiesigen Infocenter ist diese Route nicht bekannt, wenngleich durch die Stadt diese sogar beschildert ist. Auch gut - so bleiben wir zügig auf Ostkurs über die Provinzgrenze nach Saskatchewan und dort in den Meadow Lake Provincial Park. Das Wetter ist nach wie vor herrlich sommerlich und unser Vorhaben, mal drei oder vier Tage an einem See zu bleiben sollte hier doch möglich sein. Die Wahl fällt auf Hirtz Lake - klein, überschaubar und das Wichtigste: die Campplätze direkt am Wasser! Aus unerklärlichen Gründen waren nämlich bei allen bisher besuchten Parks und Camps an Seen die einzelnen Parzellen hübsch versteckt im Wald oder in den Büschen. Nun, bei 30° Hitze mag man sicher den Schatten, aber diese Marke wird hier recht selten erreicht.
Nach zwei Tagen Urcamping erreicht uns eine Unwetterfront, zwar mit wenig Regen aber viel Wind. So beenden wir unseren Seeaufenthalt am vierten Tag und brausen mit heftigem Rückenwind weiter gegen Osten.

Prince Albert National Park liegt an unserer Route, doch vom Westen her nur recht beschwerlich auf abenteuerlichen Wegen zu erreichen. Ein Besuch von der gut zugänglichen Ostseite würde einen Umweg von etwa 300 Kilometern bedeuten - wir verzichten und fahren in die Stadt selben Namens: Prince Albert. Was im ersten Moment recht großstädtisch anmutet, entpuppt sich aber rasch als historisches Kleinod am Saskatchewan River - wir bleiben zwei Tage. Und die Dame im Visitor Center weiß endlich Bescheid über die NWWR, doch gibt es leider keine Infos neueren Datums. Doch als Ausgleich erhalten wir eine Beschreibung für eine von uns so genannte "Landpartie" zum Zusammenfluss von Nord- und Süd-Saskatchewan River. Landpartie deshalb, weil wir etwa 70 km auf Schotterpisten bis dorthin unterwegs sind, die hauptsächlich durch unendlich weite Getreidefelder führen - herrliche Ausblicke und Fotostopps sind die Folge! Nach dem Besuch der Fork geht's weiter mittels Fähre über den Südarm des Flusses und weitere 90 km gravel roads ins Herz des Weizenanbaus nach Codette und Nipawin.

Nun folgt ein grausliches Stück Straße durchs Niemandsland zur Grenze nach Manitoba. Grauslich deshalb, weil mit gröbstem Schotter belegt und dieser wird eben im Niemandsland abgebaut - so hat es den Anschein, denn Dutzende Trucks kommen uns auf den folgenden 60 Kilometern entgegen und stauben uns fürchterlich ein. Sichtlich erleichtert sind wir dann endlich in The Pas/Manitoba angelangt, eine wichtige Stadt und Passage von Ost nach West. Auch die Eisenbahn hat The Pas im Fahrplan, genau genommen die Canadian National Railway, die bis nach Churchill an der Hudson Bay hinauf fährt. Das riesige Seenplateau in der Mitte der Provinz Manitoba wird von einer einzigen Straße durchquert: Highway 6. Nach eingehender Erkundigung im Info-Center entschließen wir uns, die direkte Route in den Süden zu nehmen und so den Riding Mountain National Park zu besuchen. Eine seltsame (weil bürokratische) Hürde lässt uns dann die Pläne ändern. Dass mit einem Entgelt für den Eintritt in den Park zu rechnen ist, wussten wir. Dass dieses aber täglich zu entrichten ist, ist ein Unikum in ganz Kanada. Im Klartext: Heute in den Park, übernachten am Camp, morgen wandern usw., wieder übernachten, am dritten Tag dann aus dem Park. Bedeutet: 3x CAD 15.80 entry fee und 2x CAD 15.00 für Camping - ich glaub, wandern ist anderswo billiger...
So landen wir am Lake Manitoba, wo am Oak Point eine riesige Sumpflandschaft Sammelplatz für tausende Kanada-Gänse ist und wir direkt daneben einen perfekten Beobachtungsplatz ansteuern. So ganz nebenbei ist der auch zum Übernachten geeignet und in Gesellschaft von Gänsen, weißen Pelikanen, Kormoranen, Löffelenten und einem Bald Eagle verbringen wir eine herrliche Nacht. Laut war's erst am Morgen.


Winnipeg ist nicht nur Endpunkt der NWWR (wir besuchen den Cairns mit der Plakette drauf) sondern ja auch Hauptstadt von Manitoba. Wenn wir uns normalerweise großen Städten etwas vorsichtig nähern, um nicht gleich im großen Rummel zu verzweifeln (wir haben ja kein NAVI!), so ist das bei Winnipeg mal ganz anders. Eine Ringautobahn als grobe Orientierung mit sternförmig zum Zentrum verlaufenden Straßen - so einfach kann es sein. Wenn dann überdies der Campingplatz an so einer Zufahrt liegt, ist der Besuch perfekt: Wir bleiben drei Tage. Am Zusammenfluss von Red River und Assiniboine River im Zentrum der Stadt gibt es eine großzügige Freizeitanlage mit vielen Grünflächen, Parks, Freilufttheater, Bootshafen und Kneipen. Man muss sich das vorstellen: im Zentrum der Stadt, am teuersten Boden - einfach fantastisch! Die Stadt hat ja viel französische Geschichte zu bieten und mancherlei politisches Geplänkel hat sich da entwickelt. Amüsant vielleicht die Geschichte, als der Bahnhof auf englischem Boden errichtet wurde, die Franzosen dagegen heftig protestierten und als Folge die Brückenverbindung blockierten. Heute gehen wir über diese Brücke in das Quartier Francais Saint Boniface und schlendern durch Parks und Universitäten zur großen Cathédrale, die letztmals im Jahr 1972 großzügig renoviert wurde - auch mit Geld der englischen Bevölkerung. Und im Jahr 1986 hat die französisch sprechende Bevölkerung von Manitoba am Obersten Gerichtshof erreicht, dass alle Gesetze die seit 1870 erlassen wurden nun ungültig sind - sie waren allesamt nur in englischer Sprache geschrieben...

Es ist wieder mal Long Weekend in Kanada, der 1. September ein Feiertag. Labour Day und gleichzeitig Ende der Ferien - so was lockt natürlich die Städter ein letztes Mal raus aus den Häusern. War das Wetter und vor allem die Temperaturen der vergangenen Tage sehr, sehr sommerlich, mischt sich heute am Sonntag eine kühle Brise dazu. Wir entschließen uns, an den Lake Winnipeg zu fahren um diesen riesigen See wenigstens am unteren Ende zu besuchen. Vorbei an Grand Beach Provincial Park liegt unser Ziel am Nordende einer Halbinsel, die etwa 15 Kilometer in den See hineinragt. Am Ende liegt Victoria Beach (ein Gruß nach Wien zu Victoria!), das klingt verheißungsvoll! Stutzig werden wir erst, als wir zwar Victoria Beach erreichen, dort aber keine Häuser stehen. Eine Abzweigung weist zur Beach, das heißt zum Parkplatz davor. Ein Schranken(!) bedeutet Stopp und ein Kassier tritt auf den Plan, mein Blick geht nur über die parkenden Autos! Da stehen mindestens 500 davon, Massen von Menschen wuzeln sich bei zwei schmalen Wegen durch den Kiefernwald Richtung Strand, der etwa 300 Meter entfernt ist. Danke, das war's - wir kurven ums Kassiererhäuschen wieder retour zur Hauptstraße. Nächster Versuch an der Traverse Bay. Dort stehen zwar Häuser, aber es gibt keinen öffentlichen Zugang zum Wasser. Und überall ist Parken verboten! Das gibt's doch nicht - du stehst an einem der größten Seen von Kanada (ich werde die qkm noch herausfinden!) und siehst ihn nicht. Mit einigen Leutchen, die uns ansprechen, ob wir etwas suchen (ja genau, den See) kommen wir ins Gespräch. Sie geben uns 100%ig recht und nennen es auch insane - auf gut Deutsch: deppert. Da können wir nur beipflichten. Etwas später, in der Bucht von Alexander, gibt es endlich Seesichtung und - heureka - ich hab ein Foto gemacht. Zugegeben ein sehr oberflächliches...

Peace River

Oberhalb der Stadt mit Blick auf Heart-, Smoke- und den Peace River

 

Lac la Biche

Voyageur David Thompson erforschte viele Wasserwege

Oil-Gas-Berta

Fast in jedem Getreidefeld steht eine Pumpstation der Oil/Gas Companies
 

 

Camping am Hirtz Lake

Ohne Öl und Gas grillen wir ein saftiges Steak am Feuer - bitte das rot/weiß/rote Tischtuch beachten!

Prince Albert Town

Eine eigenwillige katholische Kirche aus dem Jahr 1928

 

Prince Albert Town

Im historischen Teil der Stadt finden wir das Handelshaus der North-West-Company

Eine nostalgische Saskatchewan Farm

Getreide - und da hauptsächlich Weizen - wird in Silos gelagert

 

Saskatchewan Farming

Kleine Farmer besitzen hier im Durchschnitt 500 Ha Getreidefelder - im Süden bis zu 4000!

Saskatchewan Farming

Riesige Maschinen kommen bei der Ernte zum Einsatz und stehen rund um die Uhr nicht still
 

 

Monster Maschine

Ein Streifen von 11 Metern kann mit dieser Maschine geschnitten werden - 2 Tonnen fasst der Behälter

Traktor mit Quadro

Auch die Zugmaschinen sind enorme Geräte - fast wie ein Steyr CVT?

 

Canwood Silo an der Railway

Hier wird das Getreide gelagert und mit Zügen abtransportiert

Roadsilo

Ein kleiner(!) Getreidesilo wird zur Farm kutschiert

 

Roadhouse

Das Bauernhaus folgt dann etwas später...

Winnipeg

Die Kathedrale im französischen Viertel Saint Boniface

 

Winnipeg "laissez faire"

Fischen am Assiniboine River im Stadtzentrum
 

Winnipeg

Downtown hat auch einige Wolkenkratzer zu bieten

 

Winnipeg - Golden Boy

Auf der Kuppel des Parlaments steht der goldene Junge: 5.25 Meter hoch mit 24 Karat Gold belegt

Lake Winnipeg

Das oberflächliche Bild eines der größten Seen Kanadas

 

Lake Winnipeg

Die wenigen Zugangsplätze haben dafür massive Weisungen der Obrigkeit zur Folge


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