Die Inselwelt INDONESIENS

Am 25. August landen wir nach 1½ Stunden Flugzeit in Kupang, im Westen der Insel Timor. Ein eher enttäuschender Anblick, haben wir uns doch nach dem ausgetrockneten und heißen Australien saftiges Grün und dschungelartige Vegetation erwartet. Doch Westtimor lechzt genauso nach Wasser, und Hitze mit Staub vermischt lassen uns kurz entschlossen die nächste Überfahrt zur Insel Flores buchen. Das Schiff gleicht eher einem Hausboot denn einer Fähre und im Nu haben sich die zahlreichen einheimischen Passagiere schon häuslich eingerichtet.

Nach 15 Stunden Überfahrt erreichen wir im Morgengrauen Larantuka, die östlichste Siedlung der Insel Flores. Am Kai warten bereits eine Menge Busse und um jeden Passagier wird gefeilscht - ganz besonders um uns Touristen. Die Fahrt nach Maumere an der Nordküste ist spektakulär und unser nach Grün hungerndes Auge kommt nun voll auf seine Kosten. Bananen- und Kaffeestauden, Kokospalmhaine wechseln mit undurchdringlich erscheinendem Dschungel. Dazwischen ducken sich Bambushütten und Stelzenhäuschen unter schattiges Buschwerk. Die Strände sind von Palmen gesäumt - doch diese Idylle ist nicht zum Urlauben gedacht. Meer und Küste dienen dem Broterwerb, Konsumtourismus hat hier noch nicht Fuß gefasst.

Die Ost-Westverbindung durch Flores ist fast  durchwegs geteert, die schmalen, gewundenen Straßen lassen jedoch schnelles Fahren nicht zu. Dafür sorgen die zahlreichen Brücken für Nervenkitzel, die Überquerung artet oft zu einem wahren Balanceakt über einige lose Planken aus! Wir Touristen steigen da vorsichtshalber aus, aber für die Busfahrer ist es offensichtlich ein willkommener Anlass, ihr fahrtechnisches Können unter Beweis zu stellen.

Flores gehört zu den kleineren Inseln des indonesischen Archipels Nusa Tenggara und benötigt dennoch viel Zeit fürs Reisen. Tagesetappen von mehr als 120 Kilometer sind aufgrund des gebirgigen Charakters kaum zu schaffen. Und dies bedeutet sechs bis acht Stunden in notorisch überfüllten, engen und unbequemen Kleinbussen. Doch was in Österreich undenkbar wäre, macht hier Spaß und dieser unmittelbare Kontakt zur Bevölkerung bietet die beste Möglichkeit, Menschen und Sitten näher kennenzulernen.

Sehr erlebnisreich sind unsere Wanderungen abseits der Hauptroute. Die Indonesier und hier speziell die Kinder, werden nicht müde uns zu grüßen und zu winken, und oft ziehen wir weite Strecken mit einer ganzen Schar kleiner Neugierdsnasen im Schlepptau. Mit Hilfe der Kinder gelingt es uns auch in relativ kurzer Zeit, soviel von ihrer Sprache aufzugreifen, dass wir uns selbst im entlegendsten Dörfchen verständigen können. Die Menschen bezaubern uns durch ihre Herzlichkeit und Offenheit. Diesen Leuten, die ständig über irgend etwas lachen und kichern können, bieten wir zwei "unerfahrenen Weißhäuter" natürlich auch genügend Anlass zur Heiterkeit. Es genügt schon, wenn wir uns auf einem Markt durch all die Köstlichkeiten durchkosten und dabei nicht immer sehr begeistert dreinschauen.

Einen Höhepunkt erleben wir am Kelimutu, einem Vulkan mit drei Kraterseen. Knapp vor Sonnenaufgang erreichen wir den Gipfel. Die drei Seen liegen noch ziemlich unscheinbar unter uns im Schatten. Das Farbenschauspiel, das sich mit aufgehender Sonne anbahnt, ist fast nicht zu beschreiben! Einer der Seen erstrahlt in intensivstem Lärchengrün, gleich daneben färbt sich das Wasser Milchigblau, im dritten See spiegeln sich die umliegenden Berge in sattem Maron. Je höher die Sonne steigt, umso intensiver und unwirklicher werden die Farben - als hätte jemand mit dem großen Malpinsel nachgeholfen!

Wird der Ostteil der Insel durch dschungelartige Vegetation dominiert, ist die Landschaft gegen Westen hin durch weite Reisterrassen geprägt. Zur Küste fällt dann das Hochplateau steil ab und hier liegt malerisch in eine Bucht gebettet Labuhan Bajo, Ausgangshafen zu den Inseln Rinca und Komodo, letztere Heimat der gleichnamigen Riesenwarane.

Zusammen mit einem englischen und einem österreichischen Pärchen chartern wir für drei Tage ein Fischerboot. So erreichen wir zeitig in der Früh Komodo, eine fast baumlose, wüstenartige Insel. Um zu gewährleisten, dass Touristen auch tatsächlich Warane zu Gesicht bekommen, wurden bis vor kurzem tägliche Fütterungen veranstaltet. Derzeit ist dieses widerliche Schauspiel mit einer lebenden Ziege auf zweimal wöchentlich beschränkt. Die Riesenechsen allerdings, noch gewohnt an den täglichen Rhythmus, versammeln sich weiter am Futterplatz, wo uns jetzt ein Parkguide hinführt.

Bereits am Pfad kommen uns ein paar ungeduldige Drachen entgegen. Nicht ganz ungefährlich, denn unser Führer treibt uns schnellstens in ein eingezäuntes Geviert. Allmählich finden sich an die 20 Warane, einige mit stattlichen drei Metern Länge, in ungeduldiger Erwartung von Frischfleisch ein. Doch heute vergebens und ganz offensichtlich enttäuscht verweilen sie faul und träge am Boden der Grube.

Die mannigfaltige Kleininselwelt zwischen Flores und Sumbawa lädt herrlich zum Schnorcheln ein und wir erforschen die restlichen zwei Tage eine faszinierende Korallen- und Fischwelt im kristallklaren Wasser. Die Insel Sumbawa, nach einem Vulkanausbruch fast gänzlich Wüstenlandschaft, lockt kaum zum Verweilen. So erreichen wir am 10. September Lombok. Die Insel begeistert uns vom ersten Moment an. In der nördlichen Hälfte ist fast jeder Flecken bewirtschaftet, riesige Reisfelder und Tabakplantagen bilden ein üppiges Grün in vielen Abstufungen.

Wir richten unseren Stützpunkt in Mataram, der Hauptstadt an der Westküste, ein. Von hier erkunden wir die Insel per Motorrad. Im Gegensatz zur Nordhälfte, die ganzjährig von den Wasservorräten des Mount Rinjani profitiert, hat der südliche Teil Wüstencharakter. Hier ist nur einmal jährlich eine Reisernte möglich, derzeit liegen die Felder trocken und brach. Doch auch diese Gegend hat ihren Reiz. Hier finden wir die für Lombok so typischen Stadeln mit ihren kuppelförmigen Strohdächern. Sie gehören zu jedem Haus und dienen der Lagerung von Reis und Futtervorräten. Und hier entstehen auch die farbenprächtigen Stoffe, aus denen die Indonesier ihr traditionelles Kleidungsstück, den Sarong, herstellen - bunte Kontraste zur eintönigen Landschaft.

Auf Bali werden wir voll von der Touristenmaschinerie überrollt. Bereits nach einem Tag in Ubud, der selbsternannten Künstlerhochburg Balis, flüchten wir an die noch unberührte Nordküste und finden hier noch etwas Ruhe. Ganz konträr zum Image von Bali beherrschen hier schwarze Sandstrände vulkanischen Ursprungs das Bild. Wir mieten uns erneut ein Motorrad und begeben uns auf Entdeckungsreise in die Berge. Wir finden kleine, fast winzige Reisterrassen, selbst an den steilsten Hängen kunstvoll angelegt, das Wasser darin glitzert und schillert in allen Grüntönen. Und in der Unabhängigkeit unserer "Honda" erkunden wir die entferntesten Fleckchen, entdecken unberührtes Bali mit dem ganzen Reiz seiner Götter- und Dämonenwelt.

Keine Siedlung, kein Reisfeld, das nicht zumindest ein Tempelchen beherbergt, wo den Göttern in blindem Vertrauen auf das manchmal Unmögliche hingebungsvoll geopfert wird. Selbst Busfahrer stoppen des öfteren an der Strecke um bestimmten Göttern ihre Gaben darzubringen - so quasi als Freipass für ihre rennfahrerischen Ambitionen!

Mit Bali verlassen wir die Kleininseln. Java mit über 1000 Kilometer Länge übertrifft bereits die Ausmaße Österreichs. Erster Höhepunkt auf dieser Insel ist wiederum ein Bergmassiv - die Vulkanlandschaft rund um Mount Bromo. Am äußeren Rand des Kraters finden wir in einem winzigen verschlafenen Nestchen ein nettes Losmen - so heißen hier die Hotels.

Wie so oft in der Bergwelt sind die schönsten Erlebnisse zum Sonnenaufgang. So auch hier und das verträumte Dörfchen erwacht bereits um drei Uhr früh zu reger Emsigkeit. Scharenweise treffen Touristen ein, werden auf bereits gesattelte Pferdchen und Jeeps geladen und in einer Staubwolke durch den äußeren Krater zum inneren Rand geführt. Gezählte 160 Zuschauer beim Sonnenaufgang! Wir weichen dem Rummel etwas aus und erklimmen noch bei Dunkelheit den höchsten Gipfel in unmittelbarer Umgebung. Zwar führt auch hier eine Piste rauf und die Jeeps haben Hochbetrieb, doch der steile Auf- und Abstieg mit seinen immer neuen fantastischen Ausblicken über die mondähnliche Kraterlandschaft gehört uns allein.

Leider erlaubt unser auf zwei Monate beschränktes Visum keine allzu weiten Seitensprünge und so halten wir uns an die Ost-West Route mit ihren Attraktionen Surabaya, Solo, Yogyakarta, Bandung und Jakarta. Der hinduistische Prambanan und der buddhistische Borobudur Tempelkomplex bei Yogya sind Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Dementsprechender Wirbel herrscht an jeder Ecke, wir denken unweigerlich an Indien und die Ruhe und Einsamkeit in den dortigen Tempelanlagen. Weit mehr begeistert uns die landschaftliche Schönheit. Noch immer können wir uns nicht satt sehen an den ausgedehnten Reisfeldern, wo zur Zeit fest gearbeitet wird. Farbenfroh gewandete Reisdrescherinnen kontrastieren mit dem Gold des reifen Reis' und den Brauntönen der abgeernteten Felder. Wasserbüffel pflügen unter kundiger Hand mit einfachsten Geräten weite Ackerstriche, Wasser wird eingeleitet und dazwischen bereits wieder das zarte Grün frisch gesetzter Pflänzchen. Der ganz Wachstums- und Reifezyklus in harmonischer Eintracht.

Für die Insel Sumatra bleiben leider nur knapp zwei Wochen und dieser Zeitdruck zwingt zur größten Strapaze der bisherigen Rucksackreise: 43 Stunden Busmarathon von Jakarta bis Padang Panjang, knapp unterhalb des Äquators. Weiter geht's über Bukittinggi nach Pekambaru. Von hier fahren Fährboote flussabwärts zum Riau Archipelago, jener Inselgruppe, von der man bereits die Silhouette von Singapore erkennen kann. Diese kurze Schnuppertour durch Sumatra verpflichtet uns geradezu, nochmals nach Indonesien zurückzukehren!

Aus der wilden, unberührten Schönheit Indonesiens heraus ist der Einstieg ins sterile emsige Leben von Singapore wieder ziemlich schwierig.

Ein erster Gang führt natürlich zum American Express Büro, wo wir eine Postadresse haben. Und da ist die Überraschung groß, denn unter einigen Briefen ist auch ein Schreiben von Ursulas Bruder Berni, wo er mitteilt, dass sie Tante geworden ist!

Ein kurzer Auszug aus diesem Brief:

Liebe Ursle , lieber Harald,
Du Tante, Du hast eine wunderhübsche Nichte, da kannst schon mal schön stolz sein. Unsere süße Biene Bigna ist wirklich zum Herzerweichen. seit fast einer Woche unterhält sie uns bestens mit ihren 1000 Gesichtern, wenn sie schläft und händerudernd verdaut. Und alles was die anderen jungen Eltern so erzählen müssen wir bestätigen, dass das eigene Baby das Hübscheste ist – stimmt, dass man kaum noch weglaufen will – stimmt, heut Abend wäre ein Theater, das mir Monika unter der Nase durchgerieben hat, ich mag ja gar nicht gehen, das bessere Theater gibt’s hier. Heut war ich schnell eine Stunde in der Werkstatt und hab schon Langezeit nach der Bigna bekommen ...

 Annähernd 15000 km liegen zwischen uns. Und wenn wir zurück sind, wird die Bigna wahrscheinlich schon laufen – wie relativ die Zeit doch ist.

Singapore ist diesmal für uns nur eine Zwischenstation für die Weiterreise nach Malaysia. Über Melaka, mit seinen zahlreichen Überresten aus der portugiesischen und holländischen Kolonialzeit bringt uns ein flotter Aircondition-Bus nach Kuala Lumpur. Die Hauptstadt Malaysias überrascht uns mit einer architektonischen Mischkulanz, die mit supermodernen Bankentürmen, dazwischen Moscheen und Sultanspaläste beeindruckt. Alles in allem eine Großstadt, schnell gewachsen und zukunftsorientiert - die Vergangenheit verschwindet im Beton.

THAILAND

Drei Tage später haben wir unsere Visa für Thailand und wir leisten uns den billigen Luxus einer Eisenbahnfahrt inklusive Schlafwagen bis Bangkok - eine ideale Möglichkeit in Ruhe die vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Es ist das Ende der Regenzeit, weite Teile des flachen Landes stehen unter Wasser, viele Menschen erreichen ihre Häuser nur mit dem Boot. Waren es in Indonesien Terrassen, so sind es hier schier endlos große Flächen die dem Reisanbau dienen. Die Bearbeitung erfolgt sehr professionell, Traktoren, Pumpen und Maschinen stechen richtig aus dem Grün heraus.

Bangkok ist verkehrsmäßig gesehen schlichter Wahnsinn. Bereits am Bahnhof unvorstellbares Gewutzel, die Massen fluten auf die Straßen, besetzen Taxis und Autobusse, die sich dann in den endlosen Blechwurm hineinzwängen und von Ampel zu Ampel, in grässlichen Abgaswolken, "vorwärtsstehen". Uns gelingt mitsamt Rucksack eine derartige Busfahrt und erste Eindrücke lassen uns einer genaueren Erkundung dieser Metropole entgegenfiebern.

Die Besichtigung der zahlreichen Tempel und Klöster erfordert viel Zeit. Betritt man derartige Anlagen, die meist in dichtverbautester und lärmiger Umgebung liegen, umfängt einem wohltuende Ruhe - Oasen in der Großstadt. An Prunk und Ausstattung kaum zu übertreffen das Bot, Gebetshaus der orange gekleideten Mönche und "Haus des Buddha". Unüberbietbar ist der liegende Buddha im Wat Pho: 46 m lang, 15 m hoch und zur Gänze vergoldet, die Fußsohlen sind mit Perlmutt-Mosaiken bedeckt. Die Innenwände und Säulen dieser Halle sind bis zur Decke mit Miniaturmalereien versehen, manche Motive sind nur drei Zentimeter hoch!

Einen Abend widmen wir einer runden Sache. Wir feiern unseren vierzigsten Geburtstag, der uns ja beide im Oktober überholt hat. Übereinstimmend gelangen wir zur Ansicht, ihn ruhig vorauseilen zu lassen - getreu unserem Reisemotto:

Der Eilige ist zwar rasch am Ziel, doch von der Reise bleibt ihm nicht viel.

Wir verlassen Bangkok mit dem Zug nordwärts und folgen dem alten Handelsweg nach Burma und Laos, hinauf ins "Goldene Dreieck". Chiang Mai, zweitgrößte Stadt Thailands, unternimmt als Touristenhochburg in den Bergen alle erdenklichen Anstrengungen, diesem Ruf auch gerecht zu werden. Die angebotenen Wanderungen zu den Bergstämmen Nordthailands sind nur ein Teil des Massenangebotes. Es hat den Anschein, dass ein ursprüngliches Land nur mehr in gewissen Dörfern zu besichtigen ist. So sitzen wir sehr bald wieder im Bus und fahren weiter nordwärts nach Fang. Dort überredet uns ein Privatunternehmer zu einer Zweitagestour durch das Hochland entlang der burmesischen Grenze. Unser Führer heißt Djana und ist Sohn eines Dorfoberhauptes, wir sind für die Nacht Gäste in seinem Haus. Hier erfahren wir, dass Opiumanbau und regelmäßiger Eigenverbrauch zum Alltag der Dorfbewohner gehört. Sein wiederholtes Angebot mitzurauchen lehnen wir jedoch dankend ab.

Am folgenden Tag wandern wir durch sattgrünen Dschungel, klettern über Reisterrassen, besichtigen Höhlen, Wasserfälle, heiße Quellen und Geysire und kehren abends total erschöpft, aber randvoll mit interessanten Erlebnissen nach Fang zurück.

Unweit von hier schlichten wir uns in ein sogenanntes Langboot und auf dem Mae Kok River geht's in rasanter Fahrt 90 Kilometer flussabwärts bis Chiang Rai und weiter per Bus nach Chiang Saen. Wir sind nun am Golden Triangle, wo der Sae Kok River in den geschichtsträchtigen Mekong Fluss mündet und die Dreiecksgrenze mit Burma und Laos bildet. Etwas Besonderes liefert der Fluss selbst. In der Mitte des Mündungsbeckens liegt eine große dreieckige Sandbank. An ihr liegen drei Boote und drei Burschen spielen Fußball - ist das nicht die schönste Version eines Dreiländerecks?

Für die Fahrt zurück in den Süden des Landes wählen wir eine Nebenroute über Chiang Rai und Lampang nach Sukothai, der ersten Hauptstadt Thailands. Die imposanten Tempelanlagen und eindrucksvollen Buddhastatuen sind noch sehr gut erhalten. Mit einem Mietmotorrad besuchen wir die Umgebung der Stadt und kehren abends stets voll mit neuen Erlebnissen und Eindrücken in unser Guest House zurück: Ein original Thai-Teakhouse, das von seinen Besitzerinnen sehr liebe- und geschmackvoll für diese Belange hergerichtet wurde.

Zurück in Bangkok bleiben nur wenige Tage bis zum Abflug nach Australien - die Rucksackreise neigt sich dem Ende zu. Bei einem Abendessen auf der Terrasse eines Flussrestaurants gestehen wir uns ein, dass wir uns jetzt schon sehr auf unseren Bus freuen. Dies soll nicht heißen, dass Reisen mit dem Rucksack uns keinen Spaß gemacht hat. Speziell Indonesien, das touristisch über weite Teile noch unverdorben ist, war überaus reizvoll. Der Kontakt mit den Menschen, ihre Anteilnahme und unsere Neugierde. Die einfachen Unterkünfte, die überfüllten Autobusse, die herrliche und oft unberührte Natur, das Meer, seine Inseln, die üppige Vegetation und schließlich die vielen Gegensätze in Kultur und Religion - all dies ist unvergesslich und eine bleibende Erinnerung. Die Reise durch Malaysia und Thailand empfanden wir farbloser, zwar bequem, aber damit bedeutend weniger abenteuerlich. Zu modern, zu erschlossen und bis ins letzte Winkel entdeckt und organisiert - das sind nicht die Ziele einer shoestring Reise. Einzig die alten Kulturen und die Religion Thailands zogen uns in ihren Bann. Die Begegnung mit dem Buddhismus, das Erleben des Praktizierens waren es wert, auch hier länger zu verweilen. Und wir beschließen in der Zeit, in der unser Bus von Australien nach den USA unterwegs ist, auch noch den Süden Thailands und eventuell die Ostküste von Malaysia zu bereisen.

AUSTRALIEN - Querung von Nord nach Süd

Wir packen zum letzten Mal unsere Rucksäcke und mit Royal Brunei Airways fliegen wir zurück nach Darwin. Fast drei Monate waren wir von unserem Hieronymus getrennt und es ist jedes Mal eine Heimkehr, wenn wir vor ihm stehen und wieder in die vertraute Umgebung unserer vier Wände einziehen.

Am 18. November starten wir zum zweiten Teil der Australien Rundreise. Vor uns liegt ein heißer Abschnitt: die Nord-Süd Durchquerung des Kontinentes. Das australische Frühjahr hat bereits einigen Regen gebracht, der tropische Norden dampft unter der kräftigen Sonne. Dies hat natürlich das Landschaftsbild beeinflusst, die Bäume tragen frisches Laub, am Boden sprießt und blüht es und die Flüsse und Seen sind wieder gut mit Wasser gefüllt. Welch ein wohltuender Kontrast zu den Eindrücken, die wir vor rund drei Monaten hier hatten! Die ersten Fahrtage auf dem Stuart Highway dienen der Eingewöhnung an unser Umfeld: Sonne von links (Ost) nach rechts (West), Temperaturen bis 50°, die Straße einsam und gerade bis zum Horizont, unser Flüssigkeitsbedarf ist stark steigend!

Mit Alice Springs erreichen wir das Herz Zentralaustraliens. Hier quert ein Gebirgszug die unendliche Ebene: die MacDonnell Range. An einigen Stellen ist sie von Schluchten und Flüssen durchbrochen, Ausgangspunkt für fantastische Wanderungen durch diese einzigartige Landschaft. Der rote Fels, das kräftige Grün der Eukalyptusbäume mit ihren silbernen Stämmen, ein tiefblauer Himmel mit bizarren weißen Wolkenbänken, das unergründliche Braun der mit erfrischend kaltem Nass gefüllten Wasserlöchern - wir finden Australien wie im Bilderbuch. Fast eine Woche lang durchstreifen wir diese malerische Gegend, schwimmen durch enge Schluchten und erklettern einige Gipfel, von wo wir die Sonne gleich einem Feuerball in der Wüste untergehen sehen.

Unsere Begeisterung setzt sich fort beim Besuch des australischen Wahrzeichens schlechthin: Ayers Rock. Wir nähern uns im Morgengrauen dem Uluru (so nennen die Aborigines ihren Felsen) und erspähen bereits aus 40 Kilometern Entfernung den unvergleichlichen Rücken des "Steines". Mit zunehmendem Licht werden die Konturen klarer, in der Annäherung sind erst die gewaltigen Ausmaße dieses Monolithen erfassbar.

Mit Sonnenaufgang erklimmen wir den Rock und genießen von seinem 340 m hohen Gipfel eine überwältigende Rundsicht. Eine Steintafel beschreibt Punkte in 90 Kilometer Entfernung, welche noch klar erkennbar sind. Nach dem Abstieg umrunden wir den Fels auf einem neun Kilometer langen Pfad. An den durch Erosion zerfurchten ziegelroten Flanken des Felsens entdecken auch wir die Gesichter und Gestalten, welche die Legenden der Aborigines über den Uluru beleben. Wir verbringen auch noch den folgenden Tag hier und lassen uns vom wechselnden Farbenschauspiel dieses Naturwunders faszinieren - der Fotoapparat hat Hochbetrieb.

Nächste Station entlang dem Stuart Highway ist Coober Pedy, wo sich Menschen aus aller Welt einer einzigen Leidenschaft widmen: der Suche nach Opalen. Bis zu 30 Meter tief sind die Schächte der Minen, wo in staubiger und gefährlicher Arbeit der Fels angebohrt und nach dem glitzernden Edelstein durchsucht wird. Der Schutt wird nach oben geblasen, wo dann jedermann nach eventuell übersehenen Steinen herumwühlen kann. Noodling nennen dies die Australier und auch wir buddeln einen Tag lang in den Schutthaufen herum. Wir trotzen der Hitze von fast 50°, ertragen Staub und Dreck und haben am Abend rotentzundene Augen - aber in den Taschen einen kleinen, selbstgefundenen Schatz von einem Dutzend grün und rot schillernder Steine!

Die folgende Fahretappe führt uns heraus aus der flachen Steinwüste, sanfte Hügel mit gelbem Spinifexgras und riesige Schafweiden ziehen sich bis zur nächsten markanten Gebirgskette hin, die Flinders Range. Wiederum ist es ein riesiger Nationalpark der unsere Begeisterung findet und uns für einige Tage zum Bleiben einlädt. Kernstück des Parks ist eine ovale Ebene, Wilpena Pound genannt, die von einer Bergkette mit insgesamt 26 Gipfeln eingeschlossen ist - eine hochinteressante geologische Formation. Hier finden wir die schönsten Campingplätze unserer Reise bisher an den Ufern eines kristallklaren Baches unter riesigen Gum Trees, hinter uns in der Sonne rotglühender Fels und über dem Fluss große Weiden, wo wir am Abend Kängurus und Emus beim Äsen beobachten. Nicht zu vergessen die zahlreichen Papageienarten wie Kakadus, Lorikets und Galahs die in den Baumwipfeln herumschwirren. Diese Idylle gehört uns allein - erst nach 16 Stunden kommt ein Auto vorbei.

Deutlich wird uns bewusst, dass solche Eindrücke immer seltener sein werden, denn wir nähern uns mehr und mehr dicht besiedeltem Gebiet. Clare Valley und Barossa Valley, zwei prominente und gut vermarktete Weinbaugebiete, durchreisen wir eher rasch, denn Tourismus und Kommerz lauern an jeder Ecke. Adelaide - die grüne Hauptstadt von South Australia - gefällt uns auf Anhieb. Vor den Toren der Stadt der Ozean und im Hinterland dichtbewaldete Berge. Solcherart geschützt hat sich hier eine bezaubernde Stadt entwickelt.

Ab hier wählen wir die Küstenstraße, wo sich ein Nationalpark an den anderen reiht. Auch kaltes Regenwetter hält uns nicht davon ab, diesem Küstenabschnitt einige Zeit zu widmen. Langgezogene Sanddünen, steile Kliffe, breite und sehr saubere Sandstrände und ein kristallklarer Ozean - Umweltprobleme gibt es hier noch nicht. Ein Höhepunkt ist die Great Ocean Road, bereits im Bundesstaat Victoria. Fast 200 Kilometer immer dicht dem Meer entlang bietet sie Zutritt zu einigen tollen Kalksteinformationen und Felsgebilden, welche das Wasser in unermüdlicher Arbeit geschaffen hat. The Grotto, the Arch, London Bridge und 12 Apostels heißen die bekanntesten und spektakulärsten dieser Felsentürme.

Mittlerweile rückt Weihnachten näher und wir steuern einen besonders nett geschilderten Küsten-Nationalpark an. Hier stehen wir unter mächtigen Kiefern mit Blick auf die schäumenden Wellen des Ozeans. Wir schmücken unser Heim mit Gestecken und Kerzen und verbringen einen besinnlichen - unseren zweiten - Heiligen Abend unterwegs. Dabei kommt uns sehr zum Bewusstsein, dass ein Zusammenleben auf diesen wenigen Quadratmetern viel mehr braucht, als bloße Abenteuerlust um einfach in die Ferne zu reisen.

Zum Jahreswechsel sind wir in Melbourne, wo wir das reiselustige Ehepaar Yvonne und Les treffen, das im Jahre 1980 Salzburg mit eigenem Campervan besuchte. Viele Erinnerungen und Geschichten sind zu erzählen, das Neue Jahr beginnt mit ein wenig Heimweh. Dieses wird dann am Neujahrstag noch etwas geschürt, als wir über Kurzwelle der Übertragung des Neujahrskonzertes aus Wien lauschen.

Mit jedem Tag nähern wir uns Sydney und damit dem Ende unserer Rundreise. Als letzten Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes, steuern wir den Bogong Nationalpark an. Hier liegt das Skizentrum Australiens, im Sommer ist es ein weitläufiges Wandergebiet mit herrlichen Ausblicken, die Luft ist glasklar. Wir besteigen den Mount Bogong, mit 1986 Metern der höchste Gipfel Victorias. Hier oben liegt uns Australien zu Füßen und unsere Gedanken schweifen zu den zahlreichen Stationen, zu Menschen, die wir kennen gelernt haben, zu Landschaften und Tieren in diesem weiten Kontinent. Wir erleben nochmals die Faszination der roten Berge, der gelben Wüste, der grünen Nationalparks und des fast immer blauen Himmels über einem gleißenden Meer. Unvergesslich die Sonnenuntergänge, gleichgültig ob vom einsamen Hügel im Never Never oder in der Millionenstadt Sydney - so ließe sich eine lange Aufzählung unserer Erlebnisse fortsetzen!

Am 7. Januar erreichen wir Sydney - nach fast 18.000 Kilometern haben wir die Rundfahrt beendet. Bis zur Verschiffung unseres Busses in die USA bleiben noch einige Tage Zeit, die mit Erledigungen und Schreibarbeit ausgefüllt sind. Eine kleine Krönung erlebt unser Camperleben noch mitten in der Großstadt. Wir stehen mit unserem Heim auf Rädern im Macquarie Park, vor unseren Fenstern das Opera House und die Harbour Bridge und sind sicher, den schönsten Schlafplatz der Welt zu haben!

 


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