Sagenhafte Seidenstraße - Sonderzugreise Registan

Mit dem Orient-Silk-Road-Express auf den Spuren von Marco Polo
durch Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan
vom 9. bis 22. April 2013

Teil 3: Kasachstan

Unser Zug verlässt kurz vor Mitternacht Tashkent und erreicht bereits 20 Minuten später die Grenze nach Kasachstan. Wir schlafen bereits, die Grenzformalitäten werden wiederum vom Chefreiseleiter Bernard und den örtlichen Reiseleitern erledigt. Obwohl alles reibungslos verlief, dürfte es eine lange Nacht für unsere Betreuer gewesen sein, denn erstmals werden wir nicht via Bordradio von Bernard geweckt. Trotzdem sind alle pünktlich ab 7 Uhr beim Frühstück. Kurz vor 9 Uhr erreichen wir die Stadt Turkestan, wo uns vor dem Bahnhof wiederum Autobusse erwarten. Die Grabmoschee Hodscha Ahmad Jassawi wurde nach Anweisungen von Timur zwischen 1394 und 1397 erbaut und ist ein gewaltiger Monumentalbau. Als Timur jedoch 1405 starb stoppten auch die Bauarbeiten. Doch was wir heute noch sehen ist zweifelsohne eine Anlage der Superlative: Der Grundriss des Mausoleums ist in etwa 60 x 50m, die Kuppel ist 44 Meter hoch und die Mauern haben eine Stärke von drei Metern. Entsprechend kühl, fast frostig ist es im Innern. Unter der Kuppel steht ein zwei Tonnen schweres, mit prachtvollen Ornamenten verziertes  Bronzebecken mit einem Durchmesser von 2,50 Metern und einem Fassungsvermögen von 3000 Litern. 1935 transportierten die Russen das Becken nach St. Petersburg, 1989 kam es wieder zurück nach Turkestan. Zu diesem Heiligtum gehören noch 35 Räume in denen eine Bibliothek, eine Küche, zwei weiße Säle und auch ein Brunnen untergebracht waren. Fröstelnd treten wir raus ins Sonnenlicht und wärmen uns auf dem kurzen Spaziergang zu einer unterirdischen Moschee. Hier lebte und betete Jassawi zur Vervollständigung seines ICH's in einer Grube nahe dem Mausoleum. Wie er – bereits als Heiliger verehrt – in die Meditationsgrube der unterirdischen Moschee übersiedelte, folgten ihm Familie und Anhänger. Heute beherbergt dieses Gebäude ein Museum. Daneben liegt das Badehaus mit einem ausgeklügelten Wasserleitungssystem. Es bot einen Heißbereich, zwei Kaltbereiche, einen Massageraum und zahlreiche Ruhenischen.

Zurück im Zug werden wir mit einem leckeren Mittagessen verwöhnt. Die Abfahrt nach Almaty ist pünktlich um halb drei Uhr – es erwartet uns eine 18-stündige Bahnfahrt. Verkürzt wird diese nicht mit einem 5-Uhr Tee, sondern mit einer 5-Uhr Wodkaverkostung! Den Auftakt macht ein weißer Klarer, dann kommen aromatische Variationen, welche mit Beeren, Kieferzapfen bzw. Kräutern verfeinert sind. Passend dazu belegte Fischbrötchen, Kartoffeln, Salzgurken, Blini und auch roter Kaviar. Heute lernen wir auch einen gesunden Wodka-Trinkspruch:

›Bei niedrigem Blutdruck trinke Rotwein, bei hohem Blutdruck einen Cognac, bei Magenschmerzen hilft Wodka. Und wann trinkt man Wasser? Diese Krankheit kenne ich nicht …‹

Und mit dieser Weisheit versehen schlafen wir heute die letzte Nacht in unserem Sonderzug Registan.

Turkestan

Vor dem Bahnhof warten Busse, welche uns zu den Sehenswürdigkeiten bringen

 

Turkestan

Werbetechnisch wirksame Fassaden vor einem Elektromarkt preisen u.a. Klimageräte an

Turkestan

Spezielle Geschäfte wo es von A bis Z alles für die Hochzeit gibt

 

Turkestan

Großzügig angelegte Straßen in der 110.000-Einwohner-Stadt

Grabmoschee Hodscha Ahmad Jassawi

Auch diese gewaltige Moschee hat Timur von 1394 bis 1397 errichten lassen

 

Grabmoschee Hodscha Ahmad Jassawi

Persische Architekten waren für dieses 60 x 50 m große Bauwerk beschäftigt

Grabmoschee Hodscha Ahmad Jassawi

Ein prachtvoll verziertes, 2 Tonnen schweres Bronzebecken unter der 44 m hohen Kuppel

 

Grabmoschee Hodscha Ahmad Jassawi

Am Hauptzugang ein symbolischer Koran mit Zeilen des Sufi Ahmad Jassawi

Turkestan Bahnhof

Ein "Hingucker" sind diese monströsen Tellermützen beim männlichen Bahnhofspersonal

 

Turkestan Bahnhof

Dieser Schattenspender ist da schon einfacher aber dennoch zweckmäßig

Wodka Verkostung

Wie schon erwähnt: Wodka hilft bei den täglich auftretenden Magenschmerzen...

 

Wodka Verkostung

...so jedenfalls erklärt uns das die Reiseleiterin Galina und die muss es ja wissen!

Am Sonntag, dem 21. April erreichen wir knapp vor 11 Uhr Almaty, die auch als „Süd-Hauptstadt“ Kasachstans bezeichnet wird. Unsere Koffer werden direkt zum Hotel Rahat gebracht und wir werden von unserer lokalen Führerin Nurlog, einer sehr netten Studentin, begrüßt. Unser Besichtigungsprogramm startet bei der großen zentralen Moschee, erbaut im Jahr 1999. Im Park der 28 Gardesoldaten herrscht heute Hochbetrieb. In diesem grünen Erholungsgebiet befindet sich ein kleiner Rummelplatz  mit Ponyreiten und vielen sonstigen Kinderaktivitäten. Dies alles vor der Kulisse der berühmtesten Kirche der Stadt, der Christi-Himmelfahrt-Kathedrale. Diese ist absolut ohne Nägel gebaut und durch reine Verfugungen bewirkt dies eine gewisse Erdbebensicherheit, was sich im Beben von 1910 bewährt hat - sie wurde nicht zerstört. Diese Kirche durfte in der Zeit der Russenbesetzung nicht benützt werden bzw. wurde sie als Museum und Zentrum für antikirchliche Propaganda verwendet. Entlang der Hauptstraße, der so genannten Wirtschaftsstraße, reihen sich grüne und gelbe Gebäude: In den grünen Gebäuden wird der Dienstleistungssektor verwaltet, die gelben werden von Industriebetrieben genutzt, allem voran natürlich Öl- und Gaskonzerne. Unser Bus steuert nun die Abai Avenue an, wo Oper und Theater, sowie die berühmte Puschkin Bibliothek liegen. Abai Qunanbajuly war ein kasachischer Literat der unter anderem einige Werke von Johann Wolfgang von Goethe übersetzte und somit nach Zentralasien gebracht hatte. Am Nachmittag bleibt noch Zeit für einen Besuch des Nationalmuseums. Aus der Vielfalt des Angebotes wählt unsere Führerin die ethnische Abteilung, die sehr eindrucksvoll die Lebensgewohnheiten der nomadisierenden Kasachen übermittelt, weiters besuchen wir noch die Ausstellung über das Zustandekommen der Unabhängigkeit. An der Weiterfahrt erreichen wir den Neuen Platz, wo auf einer Säule die Wahrzeichen des Landes zu sehen sind: Ein Schneeleopard zusammen mit einem kasachischen Mädchen. Davor liegt eine große Bronzetafel mit dem Abdruck einer Hand. Legt man die eigene hinein, dann sollte ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Den Abend beschließen wir auf dem 1070 m hohen Hausberg, dem Kök-Töbe mit dem 372 m hohen Fernsehturm. Bemerkenswert und ein wenig kurios ist, dass  hier oben ein bronzenes Denkmal mit den britischen Beatles zu bewundern ist. Im Süden beherrschen die Bergketten zur Grenze nach Kirgistan das Szenario, unter uns breitet sich Almaty aus, am Horizont erkennen wir die rauchenden Schlote der Industriebetriebe und damit verbunden eine dichte Dunstglocke.

Seit zwei Tagen geistert ein Gerücht über einen Streik bei Lufthansa für Montag, den 22. April durch die Gegend und heute bestätigt uns Bernard, dass morgen weder der Flug Almaty-Astana, noch die Verbindung Astana-Frankfurt geflogen werden. Das bedeutet, dass wir eine weitere Nacht hier verbringen, aber morgen aus Platzgründen ins Royal Tulip Hotel übersiedeln werden.

So genießen wir statt dem Nachtflug zurück nach Frankfurt heute ein köstliches Frühstücksbuffet. Kurzfristig hat Bernard einen Ausflug zum Eisstadion Medeo auf 1700 Metern Höhe am Fuß des Berges Mochnataja in der Grenzregion zu Kirgistan organisiert. Es wird insofern eine abenteuerliche Fahrt, als die Fahrer der Kleinbusse offensichtlich keine Ahnung haben, wie man am Berg fährt. Der unsrige tritt das arme Auto im zweiten Gang bis zum Glühen, wechselt in den dritten Gang und würgt es fast ab. Ergebnis: Etwa drei Kilometer vor Medeo ist der Motor heiß gelaufen. Während wir uns die Füße vertreten, schöpft der Fahrer Wasser aus einem kleinen Bach und kann den Motor runterkühlen und so schaffen wir es bis endlich bis zum Eisstadion. Die Straße steigt weitere ca. 150 Höhenmeter an, doch vorerst heißt es nochmals pausieren und Motor kühlen. Harald nützt die Zeit zum Fotografieren des Stadions und wir anderen nehmen mal zu Fuß den Weiterweg entlang der Straße in Angriff. Nachdem der Motor des Busses abgekühlt hat, tuckert er langsam das letzte Stück hinauf und nimmt nach und nach seine Passagiere wieder an Bord. Vor uns liegt nun ein kleines Schigebiet unterhalb der etwa 2200 m hohen Bergkette Kungei-Alatau, das mit einigen Liften erschlossen ist. Wir erklimmen eine kleine Anhöhe mit schönem Ausblick und genießen unseren kleinen Gipfel.

Am frühen Nachmittag erreichen wir das 6-Sterne(!) Hotel Royal Tulip, das am Stadtrand in den Hügeln liegt und somit sich auch oberhalb der Smogglocke befindet. Wir nützen die freie Zeit und erkunden die gegenüberliegende Siedlung. Dabei stehen wir immer wieder staunend vor Gasleitungen, die oberirdisch in gewagten Konstruktionen in Übermannshöhe zu den Häusern führen. Dies hat mit den häufigen Erdbeben zu tun, denn angeblich werden so die Leitungen nicht zerstört. Das scheint uns aber recht unglaubwürdig. Trotz der nahe liegenden Berge und dem vielen Grün rundum erreicht die Temperatur wieder einmal die 30°-Marke erreicht und somit kehren wir bald und gern ins klimatisierte Luxus-Hotel zurück.

Jetzt geht’s ans finale Packen und es erwartet uns ein letztes feines Abendessen im Hotel. Da der Flug morgen Früh direkt von Almaty nach Frankfurt führt, ist Treffpunkt in der Lobby erst um ¾ 1 Uhr in der Nacht - ein kurzes Nickerchen geht sich also noch aus.

Am Flughafen dann noch ein wenig Zittern. Die örtliche LernIdee Agentur hat Harald anscheinend doppelt einbuchen lassen und die Lufthansa Mitarbeiter am Check-In haben alle Mühe dies am Computer richtig zu stellen. Für den Flug nach Frankfurt gelingt es, doch auf dem Anschlussflug nach Salzburg steht er derzeit noch auf der Warteliste. Aber Ende gut, alles Gut – wir sind beide pünktlich in Salzburg angekommen!

Bahnfahrt nach Almaty

Die weiten Steppen Kasachstans begleiten uns während der langen Bahnfahrt

 

Alatau Gebirge

Dieses Grenzgebirge zu Kirgistan rückt immer näher während der Zug nach Almaty fährt

Abschied im Zug

Zugmanager, Zugbegleiter, Service und das Küchenpersonal verabschieden sich

 

Abschied im Zug

Brunhilde und Werner aus Mittersill waren während der Reise unsere Tischnachbarn

Abschied vom Zug

Auch wir nehmen Abschied vom Silk-Road-Express und packen unsere Koffer

 

Abschied vom Zug

Unsere freundlichen Zugbegleiter Ekaterina und Daniil von Waggon 7

Stadt Almaty

Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale beeindruckt mit einem 56 m hohen Fünfkuppelbau

 

Stadt Almaty

Die Holzkonstruktion hat das schwere Erdbeben im Jahr 1910 fast unbeschädigt überstanden

Stadt Almaty

Wie viele Wünsche diese Bronzehand wohl schon erfüllen musste?

 

Stadt Almaty

Am Neuen Platz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen

Stadt Almaty

Vom Aussichtsberg Kök-Töbe hat man herrliche Ausblicke auf die Stadt und das Gebirge

 

Stadt Almaty

Wir konnten nicht herausfinden weshalb John, Paul, George und Ringo hier verewigt sind

Stadt Almaty

Nach dem Abendessen im Aussichtslokal erleben wir noch den Sonnenuntergang im Smog

 

Stadt Almaty

Nahe der Seilbahnstation am Kök-Töbe warten noch etliche Vergnügungen auf die Besucher

Eisstadion Medeo

Angeblich wurden auf der 400 m langen Natureisbahn über 180 Weltrekorde gelaufen

 

Eisstadion Medeo

12.000 Zuschauer können hier die Eisschnellläufer anfeuern

Kungei Alatau

Ein kleines Schigebiet befindet sich oberhalb des Eisstadions

 

Stadt Almaty

In dieser Siedlung "bewundern" wir atemberaubende Konstruktionen von Gasleitungen

Royal Tulip Hotel

So sieht ein Schlafzimmer der Kategorie sechs Sterne aus

 

Royal Tulip Hotel

In diesem Luxushotel stehen 165 Räume den Gästen zur Verfügung - wir hatten auch einen!

Angesichts von 4100 mit der Eisenbahn gefahrenen Kilometern soll man sich so ein Angebot gut überlegen...

Somit ging ein langersehnter Traum in Erfüllung und wir konnten zumindest einen kleinen, aber wunderschönen Teil der legendären Seidenstraße erleben. Und vor allem können wir alles erzählen im Gegensatz zu Marco Polo, dessen Schilderungen immer wieder angezweifelt wurden. Dem entgegen sagte er allerdings:

"Ich habe nicht die Hälfte von dem erzählt, was ich gesehen habe, weil keiner mir geglaubt hätte."

Die vorangegangenen Schilderungen sind auch nur die Hälfte von dem was wir erlebt haben...

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