Der umweltbewusste Europäer betreibt natürlich Mülltrennung. Auch wenn er mit einem Wohnmobil in den USA unterwegs ist. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es Überraschungen.

 

 

Wiederverwerten oder Recycling - wie man so schön sagt

Im großen Land des Verbrauchens und des Konsumierens fällt natürlich allerhand Müll an. Als wohlerzogene Europäer – wobei man hier ruhig mal Österreicher sagen kann – beachten wir natürlich auch gewisse Regeln beim Mülltrennen. Als Bewohner eines Wohnmobiles oder auch Truckcampers hat man in Amerika naturgemäß allerdings nicht die Einrichtungen zur Hand, die am Heimatort selbstverständlich sind. Da steht kein „gelber Sack“ in der Garage und den Papiercontainer findet man nicht am Parkplatz des Supermarktes. Glasflaschen, egal ob weiß oder bunt, will man vergeblich in aufgestellte Behältnisse werfen. Plastikflaschen und Blechdosen, fein säuberlich ausgewaschen, warten eine Zeit lang auf Entsorgung im Staufach, bevor man sie dann doch resignierend dorthin wirft, wo eigentlich alles landet: in den allgemeinen Müllsack, der dann in den nächstbesten Mistkübel gestopft wird.

Was aber geschieht nun mit dem Inhalt dieser Mistkübel? Falls er nicht von Hunden oder Waschbären geplündert wird, kommt in regelmäßigen Abständen ein Sammelauto vorbei und entleert diese Kübel. Der Einfachheit halber ist in diesen Tonnen ein großer, meist schwarzer Müllsack hineingefaltet, in welchem dann der hineingeworfene Müll landet. Das ist nun Plastik im Plastik - doppelt hält besser. Der Vorteil liegt auf der Hand, der Kübel bleibt einigermaßen sauber. Ein neuer schwarzer Sack wird hineingestülpt und das Behältnis ist zur Mistaufnahme wieder bereit.

Wenn der Sammelwagen nun alle Mistkübel seiner Tour geleert hat, fährt er zur Müllsammelstelle, wo dann das große Aussortieren stattfindet, bevor der unbrauchbare Rest in die Verbrennung wandert.

Falsch, total falsch!

Im großen, weiten Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das nicht möglich! Warum, ist uns nicht bekannt. Vielmehr ist bekannt, dass in den meisten Fällen - ich würde es mit 70% schätzen - der gesamte Müll vergraben wird. Jawohl, schlicht und einfach vergraben. Mit allem Drum und Dran, was sich halt in den Plastiksäcken befindet. Landfill - Landauffüllung - nennen es die Amerikaner. Es gibt dann keine so genannten Müllberge, denn man füllt ja damit irgendein Loch, wo man vorher den Schotter oder Sand für die Bauwirtschaft herausgebuddelt hat. Jedes Stück Highway und jedes Hochhaus hinterlässt somit ein Loch - Platz genug für abertausende schwarze Müllsäcke. Ist das Loch dann gefüllt, wird es wieder zugeschüttet und darüber dann zum Beispiel ein Golfplatz gebaut. Da können dann einige der Müllverursacher so richtig einlochen.

Eine, wenn auch bescheidene Ausnahme gibt es jedoch bei Aluminiumdosen. In der Hauptsache sind das natürlich Getränkedosen, in unserem Fall wieder hauptsächlich Bierdosen. Auch wenn wir den Inhalt nicht gleich aus der Dose trinken sondern schön manierlich ein Glas vorher damit füllen, bleibt immer ein leeres Behältnis zurück. Und damit hat es so seine Feinheiten.

Zu erwähnen ist, dass Bierdosen in Amerika kaum einzeln verkauft werden. Bei dem geringen Inhalt von 350 ml wäre das auf keinen Fall ökonomisch. So kauft man zumindest einen sixpack oder besser gleich ein case. Als fahrender Camper und allabendlicher Biertrinker ist so ein case auf jeden Fall das Beste. Es gibt diesen "Koffer" - so würde man wörtlich übersetzen - mit 12, 15, 18, 24 oder gar 30 Dosen Inhalt verpackt in einem Karton. Warum so viele verschiedene Verpackungseinheiten angeboten werden ist nicht ganz klar. Fest steht, dass die Boxen mit mehr Inhalt einen besseren Doseneinzelpreis ergeben. Das ist in jedem Fall ökonomisch. Und nun kommen die angesprochenen Feinheiten.

Wir kaufen im Bundesstaat Arizona einen Karton mit 30 Bierdosen Inhalt. Beim Kauf wird ein Pfand - es heißt dort recycling fee - von fünf Cents pro Dose eingehoben, den man beim Retourbringen der leeren Dose wieder zurückbekommt. Aber nicht dort, wo die Dose gekauft wurde - nein, das wäre ja viel zu einfach! Man muss zu einem sogenannten Recycling Center fahren und dort die leeren Dosen abgeben. Wer jemals in der Hauptstadt von Arizona, in Phoenix so ein Center gesucht hat, wird mit Sicherheit zum Müllschweinderl und verstaut die Dosen im Plastiksack. Eine kleine Rechnung wird dies bestätigen:

30 Bierdosen ergeben ein Pfand von US Dollar 1,50, die Suche nach einem Recycling Center dauert in etwa eine Stunde und man legt dabei locker 20 Kilometer mit dem Wohnmobil zurück. Dieses verbraucht auf 100 Kilometern in der Stadt 25 Liter Treibstoff, das wären bei 20 Kilometern dann fünf Liter zum relativ günstigen Gesamtpreis von US Dollar 1,70. Ergibt unter dem Strich einen Zeitaufwand von einer Stunde und den zusätzlichen Kapitaleinsatz von 20 Cent!

Nun reisen wir vom Bundesstaat Arizona in den benachbarten Bundesstaat Utah. Wir haben noch zehn leere Bierdosen aus Arizona in unserem Sammelkarton und füllen unseren Biervorrat im erstbesten Geschäft auf. Hier rechnet man uns zehn Cent recycling fee pro Dose und die leeren Dosen werden in jedem Supermarkt zurückgenommen! Also retour zum Auto und die zehn leeren Dosen geholt. Aber – nichts wird es mit dem erhofften Erlös von einem Dollar. Denn die Verkäuferin erkennt sofort, dass diese Dosen nicht aus Utah, sondern aus Arizona sind! Na, dann eben nur fünf Cents pro Dose? Falsch – für Dosen aus einem anderen Bundesstaat gibt es überhaupt nichts und zurücknehmen kann sie diese auch nicht. Also wohin damit? Erraten - ins Recycling Center, welches sich im übernächsten Ort befindet...!
Armes Utah. Nun schlummern dort zehn Dosen aus Arizona in einem Plastiksack unter der Erde.

Wir fahren westwärts in den Bundesstaat Nevada in die Gegend von Las Vegas. Es ist nun im Juli brütend heiß und der Getränkekonsum steigt. Die Bierdosen aus Utah haben wir bei letzter Gelegenheit im Mormonenstaat noch zurückgegeben und können uns somit ohne neuerliches Budgetminus einen Vorrat an vollen Bierdosen anlegen. Am Kassabon erscheint kein deposit oder recycling fee, unsere Frage nach Dosenpfand wird mit ungläubigem Gesichtsausdruck entgegen genommen: "Dosenpfand? Nie gehört. Sind Sie aus Kalifornien?" Nein, sind wir nicht und wo können wir die Dosen retournieren? Halt, falsch geraten - nicht im recycling center, denn so etwas gibt es hier gar nicht! "We do not care..." - grob übersetzt mit: "Wir scheren uns eigentlich einen Dreck drum", bekommen wir zur Antwort. So hat nun die Wüste in Nevada neben allerhand Atommüll auch einigen Aluminium Müll zu verarbeiten.

Nordwärts im Staate Idaho wird ebenfalls kein Pfand eingehoben. Allerdings gibt es da die Einrichtung, dass Alkoholisches – und darunter fällt auch Bier - nur in sogenannten Liquor Stores abgegeben wird. Das hat mit dem Mindestalter von 18 Jahren für den Konsum von derartigen Getränken zu tun. So halten wir im Städtchen Rupert vor einem großen Likörgeschäft und erstehen zwei Kartons mit je 24 Dosen Olympia Beer. Die Frage nach dem Entsorgen wird mit Achselzucken beantwortet: "Nein, keine Ahnung ob es da spezielle Container oder ähnliches gibt." Bei unserem Camper angelangt, sehe ich keine 50 Meter entfernt einen riesigen Metallcontainer mit verschiedenen Einwurföffnungen. Darunter steht an der linken Seite Papier, in der Mitte Glas und rechts - ja richtig - Aluminium! Ich kann es mir nicht verkneifen und gehe in den Liquor Store zurück und zeige der Verkäuferin besagten Container, den man von der Eingangstüre aus bestens erkennen kann. Völlig erstaunt die Antwort: „Na so was, den habe ich noch nie gesehen...!“ Wenig später, als wir bei der Tourist Information einige Reiseunterlagen besorgen, erklärt uns die nette Dame, dass seit etwa zwei Jahren derartige Behältnisse an sechs Stellen des Ortes aufgestellt sind.

Der Bundesstaat Oregon ist unser nächstes Ziel. Er grenzt im Süden an Kalifornien und im Norden an den Staat Washington. Die Pazifikküste im Westen lockt viele Besucher und so trifft man hier im Juli ein gemischtes Publikum aus vielen Bundesstaaten der USA. Das ist eine gute Gelegenheit nach dem Recycling-Verhalten zu fragen. Ein großer Campingplatz ist dazu bestens geeignet.

Hier ein Auszug aus unserer unverfänglichen Rundfrage: Texas wirft die Dosen weg, beziehungsweise gräbt sie ein, Colorado verlangt fünf Cents recycling fee und gibt diese im Geschäft wieder retour, Ohio nimmt zehn Cents pro Dose, ebenso Michigan. Dort gibt es dann Sammelstellen zum Retourgeben - sinnigerweise heißen diese bottle depots. Kalifornien gehört zu den Vorreitern in Sachen deposit und verlangt seit Jahren bereits zehn Cents, die man im Supermarkt bei neuerlichem Einkauf wieder gutgeschrieben bekommt. Das gleiche gilt hier in Oregon, allerdings bei fünf Cents und im Nachbarstaat Washington auch mit fünf Cents pro Dose. Zwei riesige Motorhomes aus Florida werden ebenfalls befragt. Dort kennt man das Dosenpfand gar nicht und deshalb landen die teuren Aluminiumstücke in der Erde. Irgendwann vielleicht auf dem Mond - Cape Canaveral als Müllrampe?

Soviel zum Thema Recycling, das uns beiden ganz viel Logistik abverlangt hat, um den unterschiedlichen Verordnungen in den verschiedenen Bundesstaaten gerecht zu werden.


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