Vorweg noch eine Erläuterung:

Im September 1996 wird Hieronymus erneut per Schiff nach Halifax in Nova Scotia/Kanada gebracht. Es folgt die Querung des Kontinents bis nach San Diego in Südkalifornien. Den Jahreswechsel und auch den Monat Jänner verbringen wir auf der Baja California in Mexiko. Im Februar führt uns ein beruflich bedingter Abstecher nach San Francisco und Los Angeles. Im Anschluss folgt ein Besuch bei Verwandten in Phoenix/Arizona, von wo wir Mitte April wieder nach Europa fliegen. Hieronymus wird in einem so genannten Storage untergebracht - aus Kostengründen steht er allerdings im Freien.

 

Sommer in Alaska

Genau gesagt beginnt der Sommer für uns in Arizona, als am Freitag, den 13. Juni 1997 das Flugzeug in Phoenix landet und das Thermometer außerhalb des gekühlten Gebäudes ganze 41° zeigt – in Celsius gerechnet, denn bei der Skala Fahrenheit ist bei dieser Zahl die Daunenjacke angesagt. Auch unserem Hieronymus hat die Hitze zugesetzt, das Holz der Einrichtung ist geschrumpft, es gibt absolut keine Luftfeuchtigkeit zur Zeit. Doch ansonsten hat er die zwei Monate im Quartier gut überstanden.

 

 

Wir haben viel zu erledigen und nach einer Woche im heißen Phoenix brechen wir in kühlere Gegenden auf - nordwärts durch den Oak Creek Canyon nach Sedona und weiter nach Flagstaff. Ganz in der Nähe besuchen wir die Grand Falls des kleinen Colorado Rivers - zur Zeit jedoch mit sehr wenig Wasser. Doch auch so ist es ein grandioses Naturereignis inmitten karger Wüstengegend. Vorbei an Page am Lake Powell machen wir in der Paria Wilderness halt: zwei lange Wanderungen durch Buckskin Canyon und zu den Coyote Buttes zeigen uns erneut die einsame und einzigartige Schönheit von Arizona.

Den Bundesstaat Utah und seine Hauptstadt Salt Lake City durchqueren wir zügig, ein Besuch in der Stadt Provo bei lieben Bekannten aus 1991 lässt Erinnerungen aufleben. Der Bundesstaat Idaho erwartet uns mit einigem Neuland. Vor allem Berge und Seen sind eine sehr willkommene Abwechslung, hier ist es zu Sommerbeginn noch kühl und manchmal regnerisch. Ebenso in Montana, wo uns zahlreiche idyllische Plätze dennoch zum Campieren einladen. Am 26. Juni sind wir an der Grenze zu

Kanada

und nähern uns jetzt bereits den Rocky Mountains. Kootenay National Park und später die Parks um Banff und Jasper sind ja bereits alte Bekannte, doch ist die Fahrt am Icefields Parkway jedes Mal aufs Neue ein faszinierendes Erlebnis. Östlich vom Ort Jasper verlassen wir den National Park und entlang der dicht bewaldeten Ausläufer der Rockies gelangen wir über Grande Prairie nach Dawson Creek. Hier beginnt der legendäre Alaska - Highway, wir sind bis hierher 4500 Kilometer gefahren!

Heute, am 1. Juli, ist Canada Day. Vor genau 130 Jahren wurde der Unionsstaat Kanada ausgerufen, aber wir machen uns jetzt auf die Suche nach den Spuren aus der Zeit vor 55 Jahren. Da wurde der Alaska Highway gebaut und es gibt viele Geschichten über dieses Ereignis. Auch alte Reste der inzwischen mehrfach renovierten Strasse finden wir und weit abseits des Trubels haben wir erste Begegnungen mit Schwarzbären und Elchen.

Zwei schöne Provincial Parks - Stone Mountain und Muncho Lake - halten uns einige Tage im nördlichen Teil von British Columbia. Es sind hier herrliche Wanderungen zu absolvieren, manche auf Berggipfel mit fantastischer Aussicht auf das Land rundum. Auch heiße Quellen befinden sich in der Gegend und wir genießen das warme Wasser ausgiebig zum Baden.

Wir verlassen nun die Provinz British Columbia und gelangen ins Yukon Territory. Einsame Weite und schier unermessliche Wälder, abwechselnd mit tiefblauen Seen und gletscherbedeckten Bergen - das sind die Bilder der nächsten Tage. Bei Whitehorse erreichen wir den legendären Yukon River, auf dem zur Jahrhundertwende viele tausende Abenteurer in Richtung Dawson City unterwegs waren. Das war die Zeit des großen Gold Rush am Klondike River. Bevor wir Dawson erreichen, machen wir noch einen Abstecher nach Keno, wo erst im Jahr 1989 der Welt viertgrößte Silbermine zugesperrt hat, nachdem 1890 dort erstmals dieses Metall gefunden wurde.

Kurz vor Dawson zweigt der Dempster Highway nach Norden ab, er führt nach Inuvik ans Polarmeer. Doch soweit rauf treibt es uns nicht: der Arctic Circle auf 66°33'44" north ist unser Umkehrpunkt, denn ein Schneesturm vereitelt ein Weiterkommen - immerhin 840 Kilometer (hin und zurück) auf Schotterpiste, teils durch Regen aufgeweicht und schlammig, doch durch eine grandiose Landschaft führend!

Dawson City hält uns für drei Tage, es gibt einfach so viel zu sehen und zu erforschen, die Legenden der Goldsucher ringen irgendwie Bewunderung ab. Am Samstag, 19. Juli,  sind wir unterwegs zur Grenze nach

Alaska

und eine Nebenstrecke lockt uns nach Eagle am Yukon River. Hier leben noch Natives (es ist schwierig, sie als 'Urbewohner' zu bezeichnen), und sie teilen das gleiche Schicksal wie die Indianer in den restlichen Vereinigten Staaten. Abgeschoben in Reservate leben sie separiert vom weißen Mann und müssen dennoch seinen Einfluss dulden.

 

 

Bei Tetlin erreichen wir wieder den Alaska Highway, er bringt uns nach Delta Junction und zur Alaska Pipeline. Ihr folgen wir ein Stück nach Süden und nähern uns immer mehr der Alaska Range und dem höchsten Berg Nordamerikas - Mt. McKinley. Der Denali Highway ist trotz miserabler Schotterfahrbahn ein grandioses Erlebnis. Bei unserem langsamen Tempo spielt der Straßenzustand eine nicht allzu große Rolle - wir genießen immer wieder die herrlichen Aus- und Einblicke in diese einsame Landschaft. Schließlich sind wir im bekanntesten und berühmtesten National Park Alaskas: Denali. Ein Besuch, bzw. die Fahrt durch den Park ist nur mit einem Parkbus möglich, er bringt uns in einer elfstündigen Rundfahrt zu allen Höhepunkten. Doch spezielle Höhepunkte für uns sind immer die Tiere und derer sehen wir viele: Grizzly Bären, Karibous, Seeadler, Eulen, Schneeziegen, Bergschneehuhn und einen Red Fox, der ganz ungeniert unseren Campplatz inspiziert. Und am folgenden Tag haben wir enormes Glück. Die Wolken am Himmel lockern auf und Mt. McKinley wird sichtbar! Nach 47 verhüllten Tagen (so lesen wir im Besucher Zentrum) ein schönes Erlebnis, wenn sich der eisbedeckte 6000er aus der Ebene erhebt!

Fairbanks im Norden statten wir ebenfalls einen Besuch ab, die zweitgrößte Stadt von Alaska hat immerhin 31.000 Einwohner. Noch ein Stück nördlicher liegen die White Mountains, die Öl Pipeline führt da drüber und bis hinauf nach Prudhoe Bay an der Bering See. Wir begnügen uns aber mit einer Wanderung zu einem passablen Aussichtsgipfel und restaurieren aus Holzresten ein Gipfelkreuz - etwas ganz seltenes in Amerika.

Auf der Fahrt nach Anchorage kämpfen wir mit Atembeschwerden. Laut Auskunft eines Park Rangers stehen knapp eine Million Hektar Wald im westlichen Alaska in Flammen, das heißt eine Fläche größer als Kärnten brennt! Anchorage ist eine quirlige Fastgroßstadt, der alte Teil ist eingekreist vom Business, das sich in hohen Häusern von Banken und Versicherungen abspielt.

Jedoch haben wir jetzt den Pazifik vor uns und zwar in Form des Cook Inlets. Dem folgen wir rund um den Turnagain Arm in den Süden, auf die Kenai - Halbinsel. Sind es zuerst die vielen Gletscher die bis ins Tal herunter fließen und die mächtigen Berge ringsum, so finden wir im Zentrum der Halbinsel eine ausgedehnte Seenplatte inmitten einer unendlichen Tundra Landschaft. Wir mieten ein Kanu und bepaddeln unter anderem Dolly Varden Lake. Hier können wir erstmals aus nächster Nähe den äußerst scheuen Loon - einen Eistaucher aus der Familie der Seetaucher beobachten - für uns der schönste Wasservogel!

 

 

Ganz im Süden liegt der Ort Homer. Wäre nicht das fantastische Panorama über der Kachemak Bay mit dem gewaltigen Grewingk Gletscher, der in einen See oberhalb des Pazifiks mündet - diese hässliche Ansiedlung ist den weiten Weg nicht wert. Und wie zur Bestätigung dessen, wird sie unter unseren Augen von einer mächtigen Nebelbank verschluckt!

Dort wo Kenai und Russian River zusammen fließen, lockt eine sieben Stunden dauernde Wanderung hinauf zum Russian Lake. Wiederum begeistert uns ein Gletscher am Ende des Tales: es ist der Skilak, welcher vom 400 qkm großen Harding Icefield herunter "fließt". Und dieses gewaltige Eisfeld besuchen wir zwei Tage später von der anderen Seite her. In der Nähe der Stadt Seward befindet sich der Exit Gletscher, an ihm entlang führt ein Wanderweg steil hinauf über 1000 Höhenmeter bis an den Rand des ewigen Eises. Einfach unbeschreiblich die Ausblicke und vor allem Einblicke in tiefblaue Gletscherspalten.

Bei der Rückfahrt nach Anchorage machen wir nochmals halt im Portage Valley. Diesmal präsentieren sich die Berggipfel samt Eisfelder im strahlenden Sonnenschein! Doch damit ist das schöne Wetter vorerst vorbei und wir zögern und trödeln auf der Weiterfahrt, um im Tal des Matanuska Rivers die bizarren Berge des Chugach und natürlich die imposante Kulisse der Wrangell Mountains rund um Glennallen zu sehen: Mt. Sanford 4949m, Mt. Drum 3661m, Mt. Wrangell 4317m und schließlich der höchste - Mt. Blackburn mit 4996m.

Wir schreiben den 12. August, seit zwei Monaten sind wir unterwegs - doch die insgeheimen Erwartungen konnten wir in Alaska noch nicht finden. Ich weiß nicht ganz genau den Grund dafür, doch liegt es zum Teil sicherlich an der Sorglosigkeit und mehr noch Gedankenlosigkeit eines Großteils der Amerikaner, welche um jeden Preis als Beherrscher des Landes auftreten wollen. Alles ist hier möglich, jedwede Touristenbetätigung käuflich - und niemand kümmert es, wenn die Natur, das Land, einfach alles geschändet wird. Diese Kurzsichtigkeit schmerzt und deshalb werden wir noch mehr Zeit aufwenden, um ein wenig abseits herumzusuchen.

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Entgegen allem Aberglauben ist der 13. August kein guter Tag. Im Getriebe vom Hieronymus ertönen laute Geräusche, die nichts Gutes bedeuten. So kehren wir die 400km mit viel Bauchweh nach Anchorage zurück und erste Erkundigungen klingen alles andere als ermutigend: keine Ersatzteile erhältlich! Durch den Zeitunterschied und einem Feiertag in Österreich gibt es auch von dieser Seite nichts Positives, so gestalten wir das lange Wochenende mit einigen Wanderungen auf die Hausberge rund um Anchorage. Herrliches Wetter ermöglicht einzigartige Ausblicke über die Stadt, das Cook Inlet mit dahinterliegenden Vulkanen und - Mt. McKinley! Auch Tiere sind trotz Stadtnähe viele zu sehen, so kreuzen direkt vor uns einige Dall Schafe den Weg und in der Abenddämmerung entdecken wir fünf Elche im niederen Gebüsch.

Seit gestern campieren wir im Hof einer Werkstätte, das Getriebe ist ausgebaut und die Suche nach Ersatzteilen hat begonnen. Glück im Unglück hatten wir, denn es sind lediglich Kugellager defekt bzw. gebrochen. Wir senden Faxe nach Österreich, dort sind diese Teile erhältlich - und hoffen auf ein schnelles Postservice.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Ich kürze die folgenden zwei Wochen auf die wichtigsten Erkenntnisse und Ereignisse zusammen:
Beginnen wir mit Österreich und unseren Hilferufen dorthin. Nicht eine einzige Antwort - so lautet das Ergebnis nach acht verschiedenen Faxen und drei Telefonaten! Mein Vertrauen in heimatliche Hilfestellung, oder meine Zuversicht darin ist gänzlich entschwunden, derartige Umständlichkeit und Hilflosigkeit seitens der Mercedes Werkstätten sollen für die Zukunft eine Lehre sein. Und für die Rückkehr der Vorsatz, die Verbindung zu solchen Kundendiensten zu überprüfen...

Setzen wir fort mit Alaska. Nach den Misserfolgen mit Europa beginnen wir die Suche nach Ersatzteilen in den Staaten mittels Internet, genauer gesagt in den Lower 48 - so wird der Rest der USA von den Alaskanern genannt! Chicago, Baltimore, Pittsburgh und schließlich Santa Anna in Kalifornien sind die Stationen der Suche. Nach einem halben Tag wird Erfolg gemeldet, die benötigten Teile sind erhältlich und werden geliefert. Wir sind nun bereits zehn Tage als "gestrandete Camper" am Hof der Werkstätte!

Doch diese Tage nützen wir auch anderweitig. Ein Mitarbeiter der Werkstätte, sein Name ist Roger, borgt uns ein Auto und so sind wir mobil (über Roger, seine Familie und damit verbundene Erlebnisse werden wir an anderer Stelle berichten). Und wir machen etwas, was kaum sonst von Touristen wahrgenommen wird: wir erkunden so ziemlich alle Berge rund um Anchorage und unternehmen ausgiebige Wanderungen. So halten wir zumindest den Kopf frei von allen plagenden, enttäuschten Gedanken in Zusammenhang mit der Reparatur von Hieronymus.

Nach exakt zwei Wochen Aufenthalt bei Taylor's Transmission Service sind wir wieder unterwegs - mit uns die Erfahrung, dass ein erster Eindruck von Land und Leuten nicht genügt, um damit eine Beurteilung zu finden. So wissen wir jetzt, dass der größte Teil der Menschen hier Zuwanderer sind. Nicht mal zwei ganze Generationen sind hier seit dem Jahr 1959 geboren, - dem Jahr, als Alaska zum 49. Bundesstaat ernannt wurde. Weit weg von der Obrigkeit Washingtons hat sich hier auch eine gänzlich andere Auffassung von Law and Order gebildet, vieles wird still ignoriert oder anderweitig ausgelegt. Das soll nicht heißen, dass hier Kriminelle leben, - es sind einfache Leute welche in den Lower 48 nicht mehr zufrieden waren, denen das ständige "an der Hand geführt werden" lästig war. Hier oben in Alaska entwickeln viele eine neue Eigenständigkeit, die natürlich manchmal auch einen gewissen Eigenwillen aufweist. Deshalb ist ein Vergleich mit den wohlgeordneten (oder sagt man besser wohlverordneten?) Staaten nicht immer richtig.

Die Natur lässt sich erst recht nicht vergleichen. Zum zweiten Mal befahren wir den Glenn Highway ostwärts und sämtliche Berge der Chugach Range und später die markanten Wrangell Mountains ragen in den wolkenlosen Himmel vor unseren nimmermüden Augen. Mittlerweile hält der Herbst Einzug, gelbe Blätter der Birken und Pappeln bilden einen farbenprächtigen Kontrast zu grünen Nadelbäumen und am Morgen hüllt leichter Nebel die Umgebung in seine feuchten Schleier.

Der Ort Tok schließt nun den Kreis unserer Fahrt durch Alaska und auf dem Alaska Highway verlassen wir am 4. September die USA, nicht ohne einen letzten Blick auf Mt. Sanford, welcher mit seinem eisbedeckten Gipfel weit über die Tetlin Ebene herausragt.

 

 

Mehr als 5000 Kilometer haben wir in annähernd acht Wochen (die zwei Wochen Aufenthalt in Anchorage eingerechnet) bis jetzt auf Alaskas Straßen zurückgelegt, doch haben wir damit dieses Land noch nicht endgültig verlassen. Der Alcan - die ursprüngliche Bezeichnung des Alaska/Canada Highway - hat in Kanada wieder die Nummer 1 bekommen und schlängelt sich entlang der St. Elias Mountains in Richtung Haines Junction. Wir bleiben auf Südkurs und fahren nach Haines - Alaska heißt uns erneut willkommen! Nun folgt ein legendärer und geschichtsträchtiger Abschnitt unserer Reise. Ein mächtiges Fährschiff setzt uns über nach Skagway, so erleben wir das letzte Stück der berühmten Inside Passage an Bord und fühlen mit den tausenden Goldsuchern, welche exakt vor 100 Jahren dem größten Goldrush aller Zeiten gefolgt sind.

Ho for the Klondike hieß es 1896/97 in ganz Amerika, als die Nachricht von enormen Goldfunden im Yukon Territory sich wie ein Feuer über die Nation verbreitete. Farmer verkauften ihren Besitz, Bankleute verließen ihren Arbeitsplatz und von Lehrern wird berichtet, die direkt vom Klassenzimmer weg den weiten Weg nach Norden begonnen haben. Die Fährschiffe in Seattle und Vancouver waren überfüllt, Vorräte und Nahrungsmittel wurden knapp, Ausrüstungsgegenstände wurden zum 5-fachen Preis verkauft. Einmal in Skagway angekommen, begann der Wettlauf - erst mal gegen die Jahreszeit und zum anderen gegen zehntausende Gleichgesinnter, die nur eines vor Augen hatten: GOLD!

Heute verfolgen wir Schicksale und Geschichten, die an jeder Ecke in Skagway zu entdecken sind und schütteln immer wieder erstaunt den Kopf, wenn von den ungeheuren Strapazen berichtet wird, welche ein Mensch imstande war auf sich zu nehmen, um an völlig ungewissen Reichtum heran zu kommen.

Erneut queren wir die Grenze zu Kanada und sind auf dem Alcan Richtung Watson Lake unterwegs. Kurz davor zweigt eine weitere legendäre Strasse nach Süden ab: der Cassiar Highway, der sich hinter den Coast Mountains durch British Columbia windet und die zweite Landverbindung zu Alaska bildet. Am südlichen Ende des Küstengebirges gibt es einen Durchlass zum Pazifik - und wieder nach Alaska! Von Stewart in Kanada sind es etwa fünf Kilometer bis nach Hyder in Amerika und hier erleben wir etwas Einmaliges.

Zu dieser Zeit laichen Silberlachse im Fluss und sind Anziehungspunkt für Grizzly und Schwarzbär, welche nun fest an ihrem Winterspeck arbeiten und die Lachse aus dem Wasser fischen. Wir beobachten lange ein Grizzly Weibchen, welches ungemein flink hinter dem Fisch her ist und ihn mit einem schnellen Prankenhieb am Boden festhält, bevor sie mit dem Kopf ins Wasser taucht und dann den zappelnden Lachs zu einer Schotterbank schleppt - keine 15 Meter von uns entfernt! Aufregend wird es, als ein etwa dreijähriger Schwarzbär versucht, ebenfalls zum Wasser zu gelangen, wo sich Dutzende, silbrig glänzende Fische flussaufwärts schlängeln. Kaum hat ihn die viel größere Bärin gewittert, lässt sie ab von ihrer Mahlzeit und stürzt sich mit Geknurr in Richtung des Eindringlings. Ein lautes "Waff" - und der kleine Schwarze saust über die Böschung zurück in den Wald.

Hatten wir bisher von schnee- und eisbedeckten Bergen berichtet, von der einen oder anderen Wanderung zu einem Gletscher, so bieten die Coast Mountains das wohl beeindruckendste Erlebnis in dieser Richtung. Weiter flussaufwärts befinden sich etliche stillgelegte Minen, eine passable Schotterpiste führt daran vorbei und folgt einem alten Handelsweg, der irgendwann einmal zur Küste geführt hat. Nun bringt uns dieser Weg zum fünftgrößten Gletscher Nordamerikas - dem Salmon Glacier! In 1200 Meter Höhe befinden wir uns direkt gegenüber diesem gewaltigen Eisfeld, welches zwischen den Bergkuppen hindurch talwärts fließt. Eine fantastische Abendstimmung verstärkt noch diesen Anblick - wir beschließen, hier oben zu übernachten! Insgesamt zählen wir 42 Gletscher, als wir am nächsten Morgen dem Tal noch weiter folgen und später wieder über Stewart zum Cassiar Highway zurückfahren!

Diesmal ist es endgültig das letzte Good Bye in Alaska und über Prince George geht es rasch südwärts nach Clinton. Dort verlassen wir erneut die Hauptroute und umrunden die Whistler Mountains in Küstennähe und erreichen damit Vancouver. Es ist jedes Mal ein schönes Wiedersehen mit dieser Stadt, die sich so beschaulich zwischen Bergen und Ozean ausbreitet. Eigentlich ist es noch nicht der offene Pazifik, denn da liegt Vancouver Island dazwischen - unser nächstes Ziel. Wir besuchen Ursulas Cousin Jürg und seine Familie in Campbell River, wandern im Strathcona Provincial Park und erkunden die Westküste bei Gold River. Erinnerungen werden geweckt, als wir einen besonders romantischen Campplatz aufsuchen: bereits 1991 hat uns Twin Lake in seinen Bann gezogen!

Vereinigte Staaten von Amerika

Die Fähre bringt uns über die Juan de Fuca Strait zurück in die USA und in den Bundesstaat Washington. Entlang des Olympic National Parks vermeidet unsere Route die Ballungszentren um Seattle, Tacoma und Olympia und wir wählen die ansprechende Küstenroute auf dem Highway 101! Das Wetter ist hervorragend, die berüchtigten Küstennebel und die Wolkenbänke über dem Pazifik ärgern anderswo die Touristen und bei milden Temperaturen genießen wir die abwechslungsreiche Fahrt.

Eine imposante, sechs Meilen lange Stahlkonstruktion überbrückt bei Astoria den Columbia River und Highway 101 verlässt nun im Bundesstaat Oregon kaum mehr die Küste. Auch wir nicht, denn weiterhin verwöhnt uns die Sonne und lässt nicht die Spur einer Wolke am Himmel erscheinen. Zügig erreichen wir bald Kalifornien und damit einen National Park, den wir besonders gern mögen: Redwood. Ehrfürchtig und staunend stehen wir unter den Baumriesen, die zum Teil unglaubliche 1000 bis 1200 Jahre alt sind. Was mögen die bereits alles erlebt haben?

Ein heißes Erlebnis finden wir im Landesinneren von Nordkalifornien: Lassen Volcanic National Park. Schon bei der Anfahrt haben wir das Gefühl, einen noch tätigen Vulkan vor uns zu haben, denn die Lufttemperatur klettert urplötzlich an die 45° Marke. Laut Auskunft ist dies um diese Jahreszeit aber normal für die Gegend und erst im Park auf 2000 Meter Höhe gibt es die erhoffte Abkühlung. Interessant die Geologie des Kraters, der Teil des Ring of Fires ist und auf der Kante sitzt, welche die häufigen Erdbeben in Kalifornien hervorruft. Heutzutage ist es aber still und nur einige Dampf- und Schlammquellen zeugen von der Urkraft im Erdinneren.

 

 

Über San Francisco schöne Worte zu schreiben fällt leicht, besonders dann, wenn herrlicher Sonnenschein über der Bay herrscht und Golden Gate Bridge in ihrer vollkommenen Mächtigkeit diese überspannt. Einen Übernachtungsplatz der besonderen Art gibt es diesmal zu vermelden, denn ich bin sicher, dass noch kein Camper vor uns direkt an der Fishermen's Wharf zwischen den Anlegedocks der Fischerboote diesen Platz entdeckt hat!

Ein Besuch bei SMI in San Rafael und lange Gespräche mit Herrn Scharf ergeben gute Pläne und Aussichten für eine weitere Zusammenarbeit. Dermaßen positiv gestärkt gehen wir nun den Yosemite National Park an. Bei unserem letzten Besuch haben wir nur den nördlichen Teil gesehen, diesmal fahren wir ins Tal hinein und hoch über ihm zum Glacier Point. So in 1000 Meter Höhe sieht man ausgezeichnet die umgebenden mächtigen Granitkolosse, eine tolle Wetterstimmung mit Sonne, Regen und teilweise dunklen Wolken verstärken dabei die Stimmung. Doch später dann im Valley mit all seinen touristischen Einrichtungen vergeht uns schnell die Lust auf weitere Erkundigungen und wir bevorzugen wieder die Ruhe in den höher gelegenen Teilen des Parks und fahren Richtung Tioga Pass.

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Der Geburtstag von Ursula endet fast im Sand - und das im wahrsten Sinne des Wortes! Einen perfekten Campplatz bei den Tufas am Mono Lake in Erinnerung, verfehle ich die Zufahrtsstraße und wir landen auf einem 4WD Pfad - die Spurrinnen verlaufen im feinsten, immer tiefer werdenden Sand. Verzweifelt suche ich einen Platz zum Umkehren, doch vergeblich. Nach etwa drei Kilometern dann das Aus: Hieronymus gräbt sich ein, die Vorderachse verschwindet im Sand. Glücklicherweise können wir Hilfe holen und ein schwerer Pickup zieht uns aus der Grube. Jetzt kommt der schwierigste Teil, denn mangels Umkehrmöglichkeit muss ich in der Spur des Helfers im Retourgang fahren. Mittlerweile ist es dunkel und nur mit Hilfe von Ursula, die mit einer starken Lampe den Weg ausleuchtet erreichen wir nach 1,5 Stunden wieder festen Boden und ich finde doch noch den richtigen Weg: Happy Birthday!

Die Durchquerung des Death Valley ist wie die Male vorher problemlos, die Temperaturen erträglich. Las Vegas ändert ohne Pause seine Attraktionen, kaum ist ein neues Supercasino fertig, entsteht daneben das nächste, noch größere und wahrscheinlich noch teurere - aber nur was die Baukosten betrifft! Und die werden von Millionen Besuchern mühelos wieder hereingespielt.

Über den mächtigen Hoover Dam, der hier den Colorado River staut, gelangen wir nach Arizona und ab Kingman holen wir uns die Kicks on Route 66 und später noch viele nette Geschichten im 66 Museum bei Hackberry, wo uns Bob Waldmire mit ewig neuem Wissen über diese Legende überrascht.

Die Abfahrt durch den Peach Springs Canyon zum Colorado River im Grand Canyon National Park ist für uns ein großartiges Erlebnis, die Wanderung in der Havasupai Indian Reservation nach Supai ist für unsere Muskeln ein Erlebnis! Etwa 15 Kilometer führt der Pfad hinunter in das Seitental des Colorado und hinter dem Dörfchen Supai stürzen die azurblauen Wasser des Havasu zuerst über die Navajo und 300 Meter weiter über die Havasu Fälle. Sind erstere eingerahmt von dichten Büschen, dunkelgrünen Farnen, Gräsern und lichten Cottonwood Bäumen, so stürzt beim Havasu das Wasser aus dunkelrotem Fels heraus in weite, terrassenförmige Pools und springt in vielen Kaskaden weiter talwärts. Ja, und nach einer Zeltnacht kraxeln wir die 15 Kilometer wieder hoch zum Canyonrand und haben pro Person somit 110.00 Dollar gespart - soviel kostet es, wenn man per Pferd rauf und runter geführt wird!

 

 

Mit Phoenix haben wir am 12. Oktober den Ausgangspunkt unserer Alaskareise erreicht, ein großer Kreis von insgesamt 22.600 Kilometer hat sich geschlossen. Es wäre jetzt falsch, unsere Eindrücke mit noch mehr Worten zu beschreiben - sie würden niemals ausdrücken können, was jeder für sich empfunden hat. Auch Bilder können nur Erinnerungen unterstützen und Gedanken an den einen oder anderen Ort aufleben lassen. Doch was wir tief drinnen in der Seele nun beherbergen - das kann man als Ziel jeder Reise bezeichnen!

 

Wie geht's weiter?

Am 17. Oktober verlassen wir Arizona. Über New Mexico, Texas, Oklahoma und Arkansas erreichen wir Tennessee. Weiter nach Alabama, Georgia und South Carolina - der Atlantik ist erreicht. Ab jetzt südwärts nach Florida, wo wir in Jacksonville die Überfahrt für Hieronymus nach Europa buchen. Am 1. Dezember fliegen Ursula und ich nach Amsterdam, Hieronymus erreicht am 18. Dezember in Rotterdam wieder europäischen Boden.


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