Sagenhafte Seidenstraße - Sonderzugreise Registan

Mit dem Orient-Silk-Road-Express auf den Spuren von Marco Polo
durch Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan
vom 9. bis 22. April 2013

Teil 2: Usbekistan

Von den Grenzformalitäten haben wir nichts bemerkt und nachdem jetzt die Klimaanlage wieder funktioniert war es eine geruhsame Nacht. Der Registan hat heute früh bereits Buchara erreicht. Wir haben uns gestern von unserer Reiseleiterin Maya verabschiedet und begrüßen heute Galina, die uns durch Usbekistan und Kasachstan begleiten wird.

Um neun Uhr ist Abfahrt mit Bussen zur Altstadt von Buchara, ab der Stadtmauer geht es zu Fuß weiter. Wir beginnen die Besichtigungstour beim Minarett Kalan, am Platz vor der Medrese Mir-e Arab gegenüber der Moschee Kalan. Gleich daneben der älteste von drei Kuppelbasaren, wo neben Verkauf von Kunsthandwerk zum Teil auch dessen Herstellung gezeigt wird. Speziell interessant sind Teppichknüpferei und Goldstickerei. Entlang der Handelsstraße liegen einige Medresen, meist sind es deren zwei jeweils gegenüber angeordnet. Ein sehr schönes Eingangsportal bei der Medrese Ulughbek fällt mit schlangenförmigen Ornamenten auf, die „fließendes Wasser aus dem Paradies‟ darstellen sollen. Die Kuppel der Medrese Abdulasis Khan gegenüber war mit Fresken und Goldmalereien verziert. Galina erzählt mit einer Anekdote, dass dieses Gold abgekratzt und für Zähne verwendet wurde. Tatsächlich fällt auf, dass speziell bei Frauen oft die ganze vordere Zahnreihe in Gold erglänzt.

Es ist sehr heiß geworden und so ist es recht angenehm auch die Kunstwerkstätten des zweiten Kuppelbasars zu besuchen, denn hier drinnen ist es kühl. Doch irgendwann wird es zuviel der Verkaufsstände und wir sind froh, zu Mittag das Hotel Asia zu erreichen. Am Nachmittag besuchen wir eine der ältesten Moscheen Zentralasiens, Magh-e Attari mit einem Portal aus dem 12. Jh., welches die gleichen Verzierungen wie das Minarett Kalan aufweist. Ein danebenliegendes Bad aus dem 16. Jh. ist bereits freigelegt und weitere Ausgrabungsarbeiten sind im Gange. Etwas weiter entfernt liegt der dritte Kuppelbasar, wo die Geldhändler residierten. Hier beginnt die längste Handelsstraße mit über einem Kilometer Länge. An ihr waren zahlreiche Karawansereien, die heute ebenfalls großteils Kunsthandwerkstätten beherbergen. Entlang einer Seitenstraße war einstmals das Judenviertel, wo bis zu 2500 Menschen lebten. Nach ihrer Vertreibung sind es heute  noch etwa 300. Wir besuchen die Synagoge und genießen die Kühle der Räumlichkeiten. In diesem Viertel wachsen heute kleine Hotels und Frühstückspensionen aus dem Boden, viel zu viel für die relativ wenigen Individualtouristen, wie Galina erklärt. In einer Puppenwerkstatt kommen wir ins Schwärmen. Herr Soso präsentiert uns stolz das Schaffen seiner Familie, die schon über Generationen Stabpuppen herstellt. Die Puppenköpfe werden ausschließlich von den Männern kreiert, währen die Frauen für die Hände und die Kleider zuständig sind. Ausgestellt auf kleinen Bühnen sind  Geschichten um den Pascha und natürlich Nasreddin Hodscha, dem asiatischen Till Eulenspiegel. Eine Nasreddin Statue mit Esel steht im naheliegenden Park. Seine linke Hand formt einen Kreis aus Daumen und Zeigefinger. Dies soll symbolisieren, dass er immer mit einem „Reichtum‟ von mindestens einer Kopeke nach Buchara zurückkehrte.
Dazu eine kleine Anekdote: Eine Runde Männer sitzt rund um einen Teich, als plötzlich ein Kaufmann hineinfällt und zu ertrinken droht. Die Männer strecken die Arme aus und wollen ihn retten, doch der Kaufmann greift nicht zu. Grad bevor er ertrinkt, kommt Nasreddin vorbei, kramt in seinen Taschen und holt eine Kopeke raus. Diese hält er dem Kaufmann hin und sagt: „Nimm diese Münze‟. Und der Kaufmann greift sofort zu - und somit rettete Nasreddin ihn vor dem Ertrinken.

Hinter der Statue des Nasreddin steht die Medrese Nadir Diwan-Begi, einstmals eine Karawanserei bevor sie als Hochschule genutzt wurde. Im Inneren des 70 x 70 Meter großen Bauwerkes genießen wir nun ein Abendessen unter freiem Himmel  und anschließend daran eine Tanzaufführung zusammen mit einer Modenschau.

Buchara

Am Bahnhof werden wir von Musikanten mit dem Kannai (Blashorn) begrüßt

 

Buchara

Fast 50 Meter hoch ist das Minarett Kalan neben dem Portal zur Moschee Kalan

Buchara - Minarett Kalan

Eine Art Laterne mit 16 Spitzbogenfenstern krönt den Turm

 

Buchara - Moschee Kalan

Aus Inschriften geht hervor, dass diese Moschee erst 1514 fertig gestellt wurde

Buchara - Minarett Kalan

Ein schmaler Fries in blaugrüner Farbe ist ein hübscher Kontrast zu den naturfarbenen Ziegel

 

Buchara

Beim Eingang sitzt der Moschee-Wächter und verkauft nebenbei Andenken

Buchara - Moschee Kalan Innenhof

Gegenüber dem Eingangsportal liegt das Hauptgebäude mit einer lichtblauen Kuppel

 

Buchara - Medrese Mir-e Arab

Über den Kuppeln des Vorhofes ist die prächtige Medrese zu sehen

Buchara - Moschee Kalan

Von außerhalb gesehen wirkt die Kuppel der Moschee noch wuchtiger

 

Buchara

Vorne der untere Teil des Minaretts, dahinter die Medrese Mir-e Arab

Buchara - Tak-e Sargaran

Unter den zahlreichen Kuppeln des Basars herrscht rege Geschäftstätigkeit

 

Buchara

Gewürzhändler sind nach wie vor in den Markthallen zu finden

Buchara

Kunstvoll bestickte Kappen, so genannte Tjubeteikas, werden angeboten

 

Buchara

Herr Soso erklärt uns die Herstellung und Verwendung seiner Stabpuppen

Buchara - Medrese Ulughbek

Diese theologische Hochschule wurde auf Anordnung von Khan Ulughbek errichtet

 

Buchara - Medrese Ulughbek

Ewig fließendes Paradieswasser - so wird diese Säulenverkleidung gedeutet

Buchara - Moschee Magh-e Attari

Im Zentrum der Stadt liegt eine der ältesten Moscheen Zentralasiens

 

Buchara - Nasreddin Hodscha

Witziges und Humorvolles hören wir von diesem einst recht bekannten Mann

Buchara - Innenhof von Nadir Diwan-Begi

Hübsche Mädchen begleitet von einem kleinen Orchester zeigen uns Folklore-Tänze

 

Buchara - Innenhof von Nadir Diwan-Begi

Eine temperamentvoll getanzte Modenschau ergänzt das Abendprogramm

 

Heute, am Sonntag, steht ein Busausflug zur 18 km entfernten Pilgerstätte des Heiligen Sufi Buhouwadin Nakschbandi am Programm. Am Weg dorthin besuchen wir die unweit der Altstadt liegende Medrese Chor Minor. Es ist dies die einzige Medrese mit vier Türmen, erbaut wurde sie im Jahr 1807. Und mit den vier Türmen hat es folgende Bewandtnis: Ein Kaufmann hatte vier sehr unterschiedliche Töchter. Er wollte eine Medrese bauen, die an seine Töchter erinnern sollte. Der beauftragte Baumeister überlegte und gestaltete dann vier Türme, die punkto Ornamenten und sogar Kuppeln unterschiedlicher nicht sein könnten.

Wie gesagt, es ist Sonntag und diesen Tag nutzen unzählige Muslime für einen Ausflug zur Pilgerstätte des Heiligen Nakschbandi. Gott sei Dank hat die Jeans-Mode noch kaum nach Usbekistan gefunden und so erfreuen wunderbar bunte Gewänder unsere Augen. In großen Gruppen strömen die Einheimischen durch das Eingangstor und pilgern zum Grabmal des Heiligen.  Neben einem Maulbeerbaum, unter einem überdachten Andachtsraum sitzt ein Mullah der die Opfergaben der Pilger einsammelt und deren Wünsche er an Allah weiterleitet. Eine Großfamilie nach der anderen beugt sich im Gebet vor dem weisen Mann, bevor sie in den Innenhof weitergehen. Dort steht ein Brunnen mit vier Ecktürmen und daraus fließt  Wasser, von dem sich die Muslime heilende Wirkung erwarten.

Fotografieren, auch mit Handys, ist sehr beliebt und so eine Gruppe Touristen gibt natürlich viele Motive. Im Gegenzug zeigen die Menschen aber auch überhaupt keine Scheu, wenn wir sie fotografieren und so gelingt es wirklich authentisches Leben einzufangen.

Die in der Nähe gelegene Residenz des letzten Emirs stammt aus dem 20. Jh. Der Name Sayd Alim Khan bedeutet: „Wo Mond und Sterne einander begegnen.‟ Man sagt, dass der Emir neben seinen vier Hauptfrauen auch viele Nebenfrauen hatte, deren Namen er sich nicht alle merken konnte. So nannte er sie ›meine Sternchen‹. Das Wartezimmer mit kostbaren Vasen und der weiße Saal, komplett mit Alabaster und Spiegeleinlegearbeiten ausgestattet, wurden 1913 von einem russischen Baumeister geschaffen. Die restlichen Räume tragen die Schrift von usbekischen Baumeistern. So auch der anschließende Raum, das Schachzimmer, welches mit Spiegelmosaiken ausgeschmückt ist, damit der Emir sein Gesicht jederzeit sehen konnte. Und natürlich gewann er in diesem Zimmer auch jedes Schachspiel. Neben dem prunkvoll eingerichteten Bankettsaal mit Originalparkettboden liegt die Teestube. Da alle durchziehenden Karawanen in der Residenz des Emirs nächtigten, ist das Teezimmer bestückt mit edelsten Geschenken als Dank für die Beherbergung.

Nach einem Schaschlik-Barbecue im Garten unseres Hotels geht es gestärkt weiter zum Besuch des ältesten Mausoleums der Samaniden, das heute neben dem Gelände eines Rummelplatzes liegt. Erbaut im 12./13. Jh. von Arabern, ist es das schönste und interessanteste und besteht ausschließlich aus gebrannten Ziegeln, die kunstvoll und einzigartig in Mustern angeordnet sind. Über die Beschaffenheit der Mörtelmasse dazwischen herrscht nach wie vor Unklarheit. Der rechteckige Bau weist vier identische Seiten und vier Eingänge auf, denn „...ein Moslem stirbt nicht, er geht nur ein und aus.‟

Mittlerweile hat sich heftiger Wind aufgebaut und feiner Sand wirbelt durch die Luft. Von der Boloi Hayz Jome (Bala Haus), der Freitagsmoschee, ist die gegenüberliegende Zitadelle kaum mehr zu sehen. So flüchten wir erstmals unter den Iwan, den Vorbau mit wunderschön geschnitzten Holzsäulen aus dem 18. Jh. Im Inneren der Moschee – „es wird islamisch gepredigt, aber arabisch gebetet‟ - finden wir dann Schutz, bis sich der Sandsturm etwas beruhigt hat.

Im Ark, der Zitadelle aus dem 16. Jh. mit Mauern in Höhe von 16 – 20 m, lebten ausschließlich Minister und sonstige hohe Beamte bis zum Jahr 1920, als sie wegen der russischen Invasion flüchten mussten. Der Emir und sein Gefolge hatten sich schon einige Zeit vorher mit viel Wertvollem nach Afghanistan abgesetzt. Den Rest annektierten dann die Russen. Die Zitadelle schließt an die Altstadt an und so schlendern wir von dort gemütlich zurück. In einem orientalischen Teehaus wollen wir noch einkehren, doch nach Lesen der Getränkekarte bleibt es beim „Wollen‟: Eine Portion Tee oder Kaffee kostet, zusammen mit kleinen regionalen Süßigkeiten, 12.000 Sum, das entspricht fast sieben US-Dollar! Wir genießen unseren Espresso im Lokal nebenan zu einem Viertel dieses Preises.

Zurück im Registan werden wir wieder mit einem exzellenten Abendessen verwöhnt. Diesmal ohne rütteln, denn der Zug fährt erst um 21.30 Uhr in Richtung Chiwa los.

Buchara - Medrese Chor Minor

Für vier unterschiedliche Töchter eines Kaufmanns wurden vier verschiedene Türme errichtet

 

Grabmal Buhouwadin Nakschbandi

An einem Sonntag ist diese Pilgerstätte Ziel Tausender Gläubiger

Grabmal Buhouwadin Nakschbandi

Die farbenprächtigen Holzdecken und Säulen werden restauriert

 

Grabmal Buhouwadin Nakschbandi

Kein Lärm bei einer Grabstätte - das Gras wird mit der Schere geschnitten

Begegnung mit freundlichen Menschen

Man wird regelrecht aufgefordert ein Foto zu machen und umgekehrt

 

Jung und Alt

Stolz präsentiert diese schön gekleidete Frau ihr Enkelkind (oder Urenkel)

Familien-Pilger-Ausflug

So ein Ereignis wird natürlich dokumentiert - auch ein europäischer Besucher darf fotografieren

 

Seidenstraße Kreuzung

Ostwärts nach Bishkek, westwärts nach Ashgabat und in den Süden nach Dushanbe

Setare-je Mah-e Chase

Kostbare Wandmalereien in der Sommerresidenz des letzten Emirs Said Alim Khan

 

Setare-je Mah-e Chase

Im Schachzimmer konnte sich der Emir in tausenden kleinen Spiegeln betrachten

Setare-je Mah-e Chase

Das „Gartenhaus‟ neben einem Wasserbecken war zur Entspannung des Emirs gedacht

 

Mausoleum der Samaniden

Ausschließlich gebrannte, unglasierte Ziegel wurden für dieses imposante Bauwerk verwendet

Moschee Bala Haus - Eingang Iwan

20 Holzsäulen tragen eine reich geschmückte und bunt ausgemalte Kassettendecke des Iwan

 

Ark von Buchara

Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel erhebt sich mitten in der Stadt die Zitadelle

Teppichmarkt

Hinter der Zitadelle befindet sich der Teppichmarkt - diese sind etwas zu groß zum Mitnehmen!

 

Teppichmarkt

Ein Geschäft mit unverkennbarer Fassadengestaltung und alles echt

Die Klimaanlage funktioniert und wir schlafen erstmals richtig gut durch. In der Nacht und am Morgen hatten wir lange Stehzeiten wegen verspäteter Gegenzüge u.a. dem Wolgograd-Moskau Express. So erreichen wir Urganch in der Choresm-Region mit drei Stunden Verspätung. Mit Bussen fahren wir anschließend 40 Minuten bis zur Stadt Chiwa, die ›Wüstenperle‹ und Weltkulturerbe seit 1990. Die Altstadt ist gänzlich von Mauern umgeben und es gibt vier Eingänge die früher zwischen 22 und 6 Uhr früh zugesperrt waren. Wir betreten die Stadt durch das Ata Darwase, das westliche Tor. Die innere Stadt ist gleich ein kleiner Schock. Haben wir bereits von außen die Türme- und Kuppelsilhouetten bewundert, so sind diese hier durch zeilenlange Souvenirstandeln gesäumt. Man kann kaum einen Schritt gehen ohne von den vielen Verkäufern angesprochen zu werden – und alles ist purer Kitsch.

Vor uns liegt das prunkvoll gekachelte Minarett Kalta Menar (kalta bedeutet kurz) vor der schlichten Medrese Amin Khan, die heute als Hotel geführt wird. Es hätte das höchste Minarett mit über 60 Meter werden sollen. Es kam gerade mal zu 28 Meter Höhe. Warum dies? Einer Legende besagt, dass man ab einer gewissen Höhe in den Khone Ark, den Palast Einsicht hatte und unter anderem auch in den Harem des Herrschers(?). Jedenfalls, nach dem Tod des Fürsten Amin Khan im Jahr 1855, wurde nicht mehr weitergebaut. Wir biegen links zum Khone Ark ein. Der Innenhof ist wunderbar mit Kacheln verziert und diese sind einzigartig: In der Mitte wurde beim Brennen der Kacheln bereits ein Loch ausgespart und so konnte man hier auch einen Nagel durchschlagen. Hier finden wir ganz andere Ornamente in runden Mustern, die eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Daneben schließt sich die Münzpräge an, die Papier- und Seidengeld herstellte. Am nächsten kleinen Hof liegt der Palast für Empfänge, wo auch Gerichtsverhandlungen stattfanden. Der Khan musste dabei immer anwesend sein und um zu verhindern, dass er einschlief, wurden hier Kachelmuster in geometrischer Form angebracht, was eine gewisse Unruhe bewirkte und ihn so am Einschlafen hindern sollte. Es folgt eine spezielle Medrese mit zwei Höfen, das Eingangstor ist mit einem Balkon ausgestattet. Muhammad Rahim Khan II, Erbauer der Medrese, war so beliebt, dass er es zu einer Regierungszeit von fast 15 Jahren brachte.

Einzigartig ist die Dschuma-Moschee, die Freitagsmoschee. Die Holzbalkendecke wird von 213 Holzsäulen getragen. Die Stämme, meist Ulmen, wurden aus verschiedenen Regionen herbeigeschafft und die Moschee dann 1788-99 erbaut. Die Säule beim Eingang ist ein Baumwollbaum aus dem 14. Jh., ein Geschenk aus Indien an Chiwa.
Natürlich darf ein Besuch des Harems im Palast Tasch Hauli  nicht fehlen. Gleich links nach dem Eingang liegt das Zimmer des Emirs mit dem riesigen Prunkbett. Dann folgen die Räume der vier Hauptfrauen, die Vorhöfe sind mit Holzsäulen ausgestattet und wunderschön gekachelt. Zwar sind alle vier unterschiedlich, jedoch absolut gleichwertig gestaltet, um keine Eifersucht unter den Frauen aufkommen zu lassen. Gegenüber liegen die Räume der Nebenfrauen, ebenfalls reich mit Ornamenten geschmückt. Im steinernen Palast Ars-Chane tagte der Gerichtshof und den nächsten Innenhof umgeben Gästeräume. Wollte ein Gast in seiner Jurte übernachten, gab es dazu eine erhobene runde Plattform in Hofinneren.
Den schönsten Ausblick über die Altstadt Chiwa ohne störende Andenkenverkäufer genießen wir nach einem steilen Aufstieg über hohe Stufen vom Turm in der Nord-West Ecke der Mauer.

Etwa eine Stunde Fahrzeit mit dem Bus in die Wüste Kysylkum, die rote Wüste, liegt an einem Salzsee die Festung Karashak, wo uns eine Überraschung erwartet: An fürstlich aufgedeckten Tischen mit Salzigem und Süßem wird gleich mal ein Begrüßungswodka kredenzt. Im Hinterhof mit rustikalen Backöfen werden gefüllte Zwiebelfladenbrote vorbereitet und langsam biegen sich die Tische unter der Last der Köstlichkeiten, darunter auch das regional traditionelle Shaula, ein Reisgericht mit gedörrten Aprikosen oder sonstigem Dörrobst.

Wie uns Chefreiseleiter Bernard mitteilte, wurde das Wüstenlokal in nur fünf Tagen touristenfähig ausgebaut. Unter anderem entstand eine neue moderne Toilettenanlage. Das Überraschungsprogramm wurde vom Veranstalter „Lernidee‟ als Ersatz für den entfallenen Gaskrater-Ausflug organisiert und feiert heute Premiere – sehr, sehr gelungen! Die bestehende Infrastruktur mit überdachten Parkplätzen und weiten Freiflächen wurde und wird auch von Einheimischen zum Wochenende genutzt, der salzhaltige See hat besonderen Erholungswert.

Ebenfalls anwesend ist ein Team des usbekischen Fernsehens. Wir beide werden von Bernard zu einem Interview gebeten, das von unserer Reiseleiterin Galina übersetzt wird.

Chiwa - Khiva

Am nördlichen Teil der Seidenstraße war die Stadt eine wichtige Siedlung für die Karawanen

 

Chiwa - Khiva

Das unvollendete Minarett Kalta Menar vor der Medrese Amin Khan

Chiwa - Khiva

Die einstige Geschäftstraße durch Chiwa wird heute von Andenkenläden gesäumt

 

Chiwa - Khiva - Minarett Kalta Menar

Amin Khan hatte die Absicht ein Minarett zu bauen, von dem aus man bis Buchara sehen konnte

Chiwa - Khiva

Die Medrese Kutlug Murad Inak zählt zu den Monumentalbauten der Stadt

 

Chiwa - Khiva

Türkis-blau leuchtende Kacheln zieren das Mausoleum des Volksheiligen Pahlawan Mahmud

Chiwa - Khiva

Mit einer Höhe von 57m überragt das Minarett Islam Hodscha alle Gebäude der Altstadt

 

Chiwa - Khiva

Das neue Mausoleum des Pahlwan Mahmud hat eine Grundfläche von 100 x 50 Metern

Chiwa - Khiva

Die Fassade einer Karawanserei betrachten wir auf dem Weg zum Stadtpalast Tasch Hauli

 

Chiwa - Khiva

Über und über mit Majolika bedeckte Wände an den Wänden im Inneren des Harems

Chiwa - Khiva

Dieses Prunkbett des Khans wird mit golddurchwirkter Seide abgedeckt

 

Chiwa - Khiva

Blick über die Stadt - im Vordergrund die Medrese Muhammad Rahim Khan II aus dem 19. Jh.

Chiwa - Khiva

Von oben ist auch sehr gut die mächtige, bis zu 12m hohe Stadtmauer zu sehen

 

Festung Karashak

An einem Salzsee in der roten Wüste Kysylkum liegen die Reste dieser 400 Jahre alten Festung

Festung Karashak

Ein buntes Programm aus Volkstänzen und Musik wird uns unter freiem Himmel geboten

 

Festung Karashak

Sehr häufig sieht man bei Frauen Goldzähne als Teil ihres Schönheitsideals

Festung Karashak

In der Freiluftküche werden große Portionen Lammragout auf Holzöfen zubereitet

 

Festung Karashak

Dazu gibt es herrliches Fladenbrot - wir haben es ohne Ragout verspeist

Der Registan-Sonderzug fährt zwar die Nacht durch, jedoch erreichen wir Samarkand erst mit 2 ½ Stunden Verspätung gegen Mittag. Unser Bus-Team, das aus Buchara mittlerweile hergefahren ist, erwartet uns bereits. Erste Station ist natürlich der legendäre Rigestan oder Registan-Platz (nach ihm ist unser Zug benannt) mit den drei gegenüber liegenden Medresen. Linkerhand liegt die älteste Medrese Ulughbek, benannt nach dem Enkel  von Timur, Ulugh BegTimur Lenk oder auch Tamerlan war ein zentralasiatischer Eroberer islamischen Glaubens am Ende des 14. Jahrhunderts. Er wird uns von nun an noch öfters in der Geschichte begegnen. In einem kleinen Keramik-Handwerkgeschäft im Inneren der Medrese erklärt uns der Meister den Unterschied zwischen Majolika und Mosaik. Majolika ist eine bemalte längliche, rechteckige Kachel während eine Mosaikkachel aus verschiedenen, oft sehr zahlreichen Teilchen besteht. Wir erwerben eine 6-eckige Kachel, welche aus 32 Teilen besteht.

Gegenüber liegt die ehemalige Pilgerstätte und nunmehrige Medrese Shir-dar, die nur auf den ersten Blick gleich aussieht und auch erst 200 Jahre später erbaut wurde. Im Norden des Platzes befindet sich die Medrese und Moschee Tella-kari - die Goldgeschmückte. Die Moschee ist seit Ende der 1970er-Jahre wieder zugänglich. Der Innenraum ist mit verschwenderischen Mustern übersät, wobei goldene Farbe überall vorherrscht. Das gesamte Ensemble um den Rigestan-Platz ist bis zur Jahrtausendwende ziemlich verfallen und wird seither von russischen Fachleuten restauriert. Die Medrese Ulughbek erstrahlt bereits in neuem Glanz, während an den anderen Gebäuden noch eifrig gearbeitet wird.

Nun beziehen wir im nahe gelegenen Hotel Registon Plaza unsere Zimmer und genießen ein feines Mittagsbüffet. Am Nachmittag fährt uns der Bus zur Nekropole - eine Stadt der Toten - mit ihren insgesamt 17 Grabbauten entlang des Hauptaufstiegs. Shah-e Sende, wie die Gräberstadt genannt wird, bedeutet „der lebende Schah‟. Wir passieren die Winter- und Sommermoschee und entdecken von weiter oben, dass mit der Zeit grüne Pflänzchen und Gras sich der Kuppel der Moschee bemächtigt haben. Im obersten Teil liegt das Grabmal des Ksam ibn Abbas. Ob dieser Neffe von Mohammed und der erste, der den islamischen Glauben in Zentralasien verbreitete, je in Samarkand war wird zwar bezweifelt, ändert aber nichts am Kult rund um diesen Heiligen. Um diesen heiligen Ort herum entstand unter Timur und seinen Nachfolgern die einzigartige Gräberstadt, in der vornehmlich Familienmitglieder und sehr hochgestellte Persönlichkeiten bestattet wurden.

Rigestan oder Registan Platz

Drei rechtwinkelig zueinander angeordnete Medresen säumen den großen Platz. Links Ulughbek, in der Mitte Tella-kari und rechts Schir-dar

Rigestan oder Registan Platz

Die Medrese Ulughbek ist eine der ältesten in Zentralasien

 

Rigestan oder Registan Platz

Die Medrese Schir-dar (Tigerhaus) beeindruckt mit zwei riesigen Kuppeln

Rigestan oder Registan Platz

Im Innenhof der Ulughbek Medrese sind die Wohnzellen der Studenten

 

Rigestan oder Registan Platz

Die Medrese Tella-kari (die Goldgeschmückte) wurde auch als Moschee genützt

Medrese Tella-kari

Der gesamte Innenraum der restaurierten Moschee erstrahlt in goldener Farbe

 

Medrese Tella-kari

Die kunstvolle Kuppelmalerei wirkt wie ein dreidimensionales Bauwerk

Schah-e Sende

Eine Wallfahrtsstätte ist die „Stadt der Toten‟ im Norden von Samarkand

 

Schah-e Sende

Insgesamt 17 Mausoleen und Moscheen reihen sich auf diesem Hügel aneinander

Schah-e Sende

Unter der hohen Kuppel ist die Grabstätte von Schirin Bika Aka, davor ein Achteck-Mausoleum

 

Samarkand

Zwei Tage waren wir im Luxus des Registon Plaza Hotels untergebracht

Unser Samarkand-Ausflugspaket starten wir am nächsten Morgen beim Rigestan-Platz und schlendern entlang einer Art Fußgängerzone in Richtung dem Zentralmarkt Syob. Doch bevor es ins Kaufvergnügen geht, bewundern wir die Bibi Khanum (Hanim) Moschee. Der Platz wurde von Timur gewählt und sollte die Kulturen illustrieren, die er alle anlässlich seiner Feldzüge erlebt und gesehen hatte. Der Baubeginn wurde von Astrologen bestimmt und auf 1399 festgelegt. Die vielen beschäftigten Baumeister allerdings hatten kaum Erfahrung mit den Dimensionen und ständigen Veränderungen, die sich Timur vorstellte. Das Bauwerk wurde nie richtig fertig gestellt und verfiel nach Timurs Tod im Jahr 1405. Ende des 16. Jahrhunderts ließ der Herrscher Abdullah Khan II.  Restaurierungsarbeiten vornehmen. Danach verfiel die Moschee erneut und wurde zur Ruine an der Wind, Wetter und Erdbeben weiter nagten. Erst Anfang des 20. Jh. begannen die Russen mit der Restaurierung gemäß Originalmaßstab der größten Moschee Zentralasiens mit über 400 Marmorsäulen und 480 Kuppeln. Die Inschrift „Allah‟ über dem Eingangsportal allein ist drei Meter hoch! In der Mitte des Platzes steht unübersehbar ein steinerner Koranständer für das größte Koranbuch der Welt aus dem 7. Jahrhundert. Dieses Buch ist heute in Tashkent zu bewundern. Während einer Predigt wurde ja der Imam getötet und das getrocknete Blut ist noch immer sichtbar auf der aufgeschlagenen Seite.

Zum Bau der Moschee gibt es eine liebe Legende, die uns die Reiseleiterin Galina erzählt:
Timur war natürlich nicht ständig während des Baus anwesend (er war auf Kreuzzug in Indien) und seine Lieblingsfrau Bibi Khanum beaufsichtigt die Bauarbeiten. Als der Zeitpunkt der Rückkehr Timurs immer näher rückt und die Moschee noch nicht fertig ist, gerät sie in Aufregung. Sie treibt die Baumeister zur Eile an, doch die resignieren ob der Last dieser Aufgabe. Bis auf einen: Der hatte sich nämlich in die schöne Bibi Khanum verliebt. Er verspricht den Bau rechtzeitig fertig zu stellen, wenn er sie dafür küssen darf. Bibi Khanum willigt ein. Das Bauwerk wird tatsächlich vollendet und der junge Baumeister fordert sein Versprechen ein.
Die schöne Frau bringt als Antwort ein Wachtelei und ein Hühnerei und sagt: „Sie schauen verschieden aus, aber wenn du sie aufschlägst sind sie gleich – so sind wir Frauen. Du kannst alle Konkubinen küssen, aber bitte mich nicht.‟ Der Baumeister seinerseits bringt zwei Gläser, eines gefüllt mit Wasser, das andere gefüllt mit Rotwein und spricht: „Die Farben sind verschieden, aber nippe ich am Rotwein, so schmeckt mir dieser. Das Wasser schmeckt mir nicht – so sind wir Männer.‟ Und er küsst Bibi Khanum so heftig, dass ein sichtbarer Fleck auf ihrer Wange bleibt. Diesen bemerkt Timur nach seiner Rückkehr und Bibi Khanum gesteht ihm alles. Er verurteilt sie vom höchsten Minarett der Stadt zu springen, gewährt ihr aber einen letzten Wunsch: Sie darf alle ihre seidenen Kleider anziehen. Derart ausgestattet schwebt Bibi Khanum zu Boden und überlebt. Und der Baumeister? Er klettert ebenfalls auf das Minarett, beginnt laut zu beten, es wachsen ihm Flügel und er entschwebt in Richtung Mekka.

Wir fahren weiter zu einer Seidenteppich-Manufaktur, die auch gestickte Teppiche und solche aus Wolle herstellt. Die Färbung der Materialien basiert auf rein natürlicher Basis wie z.B. Wurzeln, Nussschalen und Blätter. Die Führung durch den Besitzer ist äußerst amüsant, gewürzt mit Anekdoten - wahr oder nicht wahr bleibt Ermessenssache. Die Kunst des Teppichknüpfens liegt ausschließlich in Frauenhand, wobei punkto Entlohnung zwischen den Altersgruppen unterschieden wird. Die Manufaktur ist stolz, Aufträge aus der ganzen Welt zu erhalten und meist scheint der Preis Nebensache zu sein. So schildert es der Besitzer Abdullah Badghisi mit überschwänglichen Worten.

Auch das palastartige Mausoleum Gur-e Amir darf in unserem Besichtigungsprogramm nicht fehlen. Das Grab des Fürsten Timur liegt unter einer Kuppel mit 64 Rippen, in Anlehnung an Mohammeds Alter, der im 64. Lebensjahr starb. Die Innengestaltung brilliert in Gold und wunderbaren Ornamenten. Das 1403 unter Timurs Leitung erbaute Mausoleum war für dessen Lieblingsenkel Ulughbek gedacht, der genau unter der Kuppelmitte begraben liegt. Neben weiteren Gräbern der Familie des Herrschers fällt ein sehr einfaches auf. Es ist mit einem Holzstab versehen, was darauf hindeutet, dass hier ein Heiliger ruht.

Der Himmel hat sich bedrohlich schwarz zugezogen und beim Observatorium Ulughbeks bläst ein eisiger Wind. Der gewaltige Sextant mit einem Bogen von etwa 40 m wurde erst Anfang des 20. Jh. entdeckt. Ein Gelehrter hatte auf einem Markt einen alten Mann getroffen, der Papierrollen verkaufte. Er erkannte, dass darin Hinweise auf den Standort der verfallenen Sternwarte waren und so konnte man den Hügel bestimmen und mit der Freilegung beginnen. Der geniale Astronom Ulughbek hatte bereits um 1430 ein Sternenjahr berechnet, das zu heutigen Messungen nur um 50 Sekunden abweicht.

Der letzte Besuch an diesem Tag gilt einer Papiermanufaktur mit Wassermühle. Deren gab es einst 300 in diesem Gebiet, eine einzige blieb übrig. Einjähriger Maulbeerrinde wird vorsichtig mit den Fingern der dunkle Teil abgezogen, der verbleibende helle Teil liefert den Rohstoff für die Papierherstellung. Dieser wird 3-4 Stunden gekocht und dann über die Mühlenanlage in einem Prozedere von 7-8 Stunden zerkleinert und gestampft. Nun kommt der Brei in ein Wasserbad und wird mit einem Sieb, belegt mit Papier, abgeschöpft. Das Abgeschöpfte wandert mit Zwischenpapieren in eine Presse, wird mit Steinen beschwert und 24 Stunden gepresst. Danach werden die Blätter mit Steinen, Muscheln oder Holz poliert bis sie glänzen. Die Lebensdauer dieses Papiers in Maulbeerbaumqualität kann 1000 Jahre erreichen, da es angeblich nicht von Schädlingen befallen wird. Verwendet wird das Papier in der Kalligraphie, aber es findet auch bestickt für Taschen, Ausweishüllen, Fotoalben und sogar Bekleidung Verwendung. Gerne wird das Material auch für die Ausstattung von Stabpuppen eingesetzt.

Samarkand

Ein Denkmal für Amir Temur (Timur) - hier in sitzender Position, unweit des Hotels

 

Große Moschee Bibi Khanum (Hanim)

Viele Baumeister und Architekten waren beim Bau dieser Prachtmoschee beschäftigt

Große Moschee Bibi Khanum (Hanim)

Kolossale Abmessungen beeindrucken den Besucher: Der Bogen des Iwans ist 30m hoch, die Schrift darüber drei Meter!

 

Große Moschee Bibi Khanum (Hanim)

Majolikafliesen und leuchtende Fayencemosaiken schmücken tausendfach die Fassade am Hauptgebäude

Samarkand - Zentralmarkt Syob

Gemüse in großer Auswahl und knackfrisch - so präsentieren die Frauen ihre Ware

 

Samarkand - Zentralmarkt Syob

Sie brauchen keinen Verkaufsstand - eine kleine Mauer genügt

Samarkand - Zentralmarkt Syob

Ausrangierte Kinderwagen werden zum Brottransporter umgerüstet

 

Samarkand - Zentralmarkt Syob

Gewürze an jeder Ecke runden das Angebot für eine schmackhafte Küche ab

Samarkand - Zentralmarkt Syob

So kann man auch Halsketten präsentieren - sieht allerdings etwas makaber aus

 

Samarkand - Zentralmarkt Syob

Im typisch usbekischen Restaurant wird das Essen sitzend auf einer Plattform eingenommen

Seidenteppich Manufaktur

Die Herstellung kostbarer Teppiche liegt gänzlich in Frauen- oder Mädchenhänden

 

Seidenteppich Manufaktur

Zwischen sechs und acht Wochen arbeiten die Knüpferinnen an einem 200x120 cm Teppich

Samarkand Luxus

Und so sieht ein Restaurant aus, welches auch von Reisenden besucht wird

 

Samarkand Luxus

Doch nicht nur Reisende sind hier Gast: Die Einheimischen wissen auch zu imponieren

Mausoleum Gur-e Amir

Das „Grab des Fürsten‟ ließ Timur noch zu Lebzeiten für sich selbst bauen

 

Mausoleum Gur-e Amir

Das Innere der Rippenkuppel ist mit einzigartigem Stalaktitenschmuck ausgestattet

Mausoleum Gur-e Amir

Über dem Zellenfries ist ist ein Schriftenband, welches die Geschichte Timurs erzählt

 

Mausoleum Gur-e Amir

Timur selbst, zwei Söhne und zwei Enkel, sein Lehrer und sein Minister sind hier begraben

Observatorium des Ulughbek

Neben der Ausgrabung des in einen Fels getriebenen Sextanten liegt dieses Museum

 

Observatorium des Ulughbek

Der Garten rund um die Anlage wird gerne von Brautpaaren als fotogener Hintergrund gewählt

Papiermanufaktur

Die dunkle Rinde des Maulbeerbaumes wird vorsichtig abgelöst und von der hellen getrennt

 

Papiermanufaktur

Diese dünnen Streifen werden dann langsam zu einem Brei verkocht

Papiermanufaktur

Von einem Wasserrad angetrieben stampft dieser Holzbalken den Rindenbrei

 

Papiermanufaktur

Im Wasserbad wird anschließend der feine Brei abgeschöpft und gepresst

Papiermanufaktur

Die getrockneten Blätter werden mit Steinen oder Muscheln geglättet und poliert

 

Papiermanufaktur

Hundertprozent Bio - das Kleidungsstück aus der Maulbeerrinde!

Heute fährt unser Zug über Kamashi bis nach Kitab, wo wir in Busse umsteigen, die uns nach Schahr-e Sabs bringen. In Kamashi haben wir aufgrund einer kleinen Änderung des Tagesprogramms eine Stunde Zeit um uns die Beine zu vertreten. Und endlich dürfen wir auch am Bahnhof fotografieren und natürlich gilt die größte Aufmerksamkeit der Lokomotive unseres Zuges. Sie kann bis 120 km/h schnell fahren, jedoch fährt der Registan wegen der Unstabilität der alten Waggons bei höheren Geschwindigkeiten mit höchstens 80 km/h,  wie uns der Lokführer erklärt. Es bleibt noch etwas Zeit für einen Spaziergang entlang der Hauptstraße von Kamashi, bevor der Zug weiter nach Kitab unterwegs ist. Von hier sind es knapp 20 Minuten Busfahrt bis Schahr-e Sabs, in die ›Grüne Stadt‹, wie Timur sie nannte. Der eigentliche Geburtsort von Timur, Hodscha Ilgar, liegt 13 km südlich von hier. Nun wandern wir entlang der Hauptstraße auf historischem Boden auf dem im 15. Jh. auch Marco Polo unterwegs war. Sie ist ein Originalabschnitt der legendären Seidenstraße. Wie unsere Reiseleiterin Galina erklärt, ist hier die Bevölkerung zu 99% rein usbekischer Abstammung mit leicht mongolischem Einschlag.

Im Jahr 2002 feierte die Stadt ihr 2700-Jahr-Jubiläum und hier präsentiert sich Amir Timur stehend vor dem Palast Ak Sarai, dem größten und prunkvollsten seiner Zeit mit seinen 38 m hoch aufragenden Pylonen. Diese zwei Portalsäulen sind aufgrund fehlerhafter Berechnungen ungleich stark ausgefallen, tragen aber fast die gleiche arabische Inschrift. So liest man auf der stärkeren Säule: ›Der Sultan ist Allah’s Schatten‹, auf der schlankeren liest es sich als: ›Sultan ist Schatten‹. Die Hasrati Imam-Moschee aus dem 14. Jh. mit Holzsäulen auf zwei Seiten wird nach wie vor aktiv genutzt. Die Platane im Innenhof datiert aus dem Jahr 1370. Ebenfalls in diesem Ensemble befindet sich ein Mausoleum, das Timur für seine Familie hatte errichten lassen, wo aber offensichtlich nur  sein  Lieblingssohn Dschahangir begraben wurde. Er verstarb im jungen Alter von 22 Jahren und man sagt, dass Timur seit dem Tod seines Sohnes nie mehr gelächelt hat. Einzigartig ist, dass die Kuppel des Mausoleums aus einer äußeren, einer mittleren und einer inneren Kuppel besteht. Für Timurs Grab war ein Platz gegenüber des Eingangs vorgesehen. Anschließend bleibt noch Zeit für einen Streifzug durch den örtlichen Basar, der nun endlich ein wirklich orientalisches Flair vermittelt – bunt, lebendig und lebensnah.

Eine Überraschung erwartet uns zurück beim Zug: Die Küche hat ihr Reich auf dem Bahnsteig aufgebaut und serviert uns ein herrliches Barbecue. Zarte Schaschlikspieße, gebratene Melanzane, Zucchini, Kartoffeln, dazu verschiedenste Salate und natürlich Süßigkeiten zum Drüberstreuen. Dazu eine Verkostung usbekischer Weine und natürlich darf der Wodka auch nicht fehlen.

Am Freitag erreichen wir Tashkent, die Hauptstadt der Republik Usbekistan, welche nach dem Erdbeben am 26. April 1966 fast gänzlich zerstört wurde. So gilt der erste Stopp dem ›Denkmal der Tapferkeit‹, errichtet im Epizentrum des Bebens, das über 36.000 Gebäude zerstörte. Das Denkmal soll an den Mut und die Tapferkeit der Überlebenden erinnern, die ihr neues Tashkent erbauten. Reliefs rund um den Platz symbolisieren die Arbeit der Bauleute. Und die haben die Stadt sehr großzügig ausgelegt: Mit achtspurigen Straßen und sehr vielen Grünflächen dazwischen, denn rund um die Stadt ist ein Industriegürtel entstanden und das Grün soll helfen die Luft zu reinigen.

An einem weitläufigen Platz etwas außerhalb des Zentrums liegt der nach alten Plänen im Jahr 2007 komplett wieder aufgebaute Komplex Hasrati Imam. Tashkent versteht sich als Zentrum islamischer Kultur, was sich hier in der Freitagsmoschee, einer großen Bibliothek,  drei weiteren Pilgerstätten und einem kleinem Friedhof manifestiert. Auch die Verwaltung der sunnitischen Muslime Usbekistans liegt in diesem neu erbauten Ensemble.

Der Chorsu-Basar soll der größte Zentralasiens sein und ist in der Tat überwältigend. Über mehrere Etagen unter riesigen Kuppeln angeordnet und auf einem ausgedehnten Freigelände mit hunderten Verkaufsständen werden unglaubliche Mengen an Waren angeboten. An einer Ecke des Basars haben verschiedene Handwerker ihre Werkstätten eingerichtet und wir können mit einigem Schmunzeln beobachten, wie hier fachgerecht Schuhe repariert werden.

Unser Bus bringt uns nun zum Platz der Unabhängigkeit, der 1998/99 vom ersten Präsidenten erbaut wurde. Am 19. April feierte Usbekistan 21 Jahre Unabhängigkeit und hier präsentiert sich Timur hoch zu Ross. Uns fallen sofort zwei Uhrtürme am Rand des Platzes auf. Beide sind mit einem Glockenspiel ausgestattet und wurden 1947 von Österreich an Usbekistan geliefert. Weiters säumen Ministerien, Senatsgebäude, ein Kongresshaus und das erste Intourist-Hotel sowie zwei Schulen aus russischer Zeit den Platz. Durch die Eingangsbögen mit Störchen und Kranichen aus Metall geschmückt - als Symbol der Freiheit - starten wir zu einer kleinen U-Bahnreise auf den Strecken Rot und Blau. Zusammen mit der grünen Strecke ergibt sich ein U-Bahnnetz von 32 km. Jeder Haltestelle ist ein Thema gewidmet. So z.B. den russischen Kosmonauten oder einem Poeten mit Szenen aus seinen Geschichten. Wieder an der Oberfläche marschieren wir zum Theaterplatz, wo uns die Busse für die Weiterfahrt zum Konservatorium für das um fünf Uhr beginnende Konzert erwarten. Das Konzert mit kurzen Werken asiatischer und europäischer Komponisten wird ausschließlich auf alten Instrumenten der usbekischen Volksmusik gespielt und wir sind begeistert von den solistischen Einlagen, speziell von der Akrobatik des Tambour-Trommlers.

Mit diesem musikalischen Abschluss endet unsere Reise durch Usbekistan. Während der kommenden Nacht wird der Sonderzug nach Kasachstan weiterfahren und als erste Station die Stadt Turkestan erreichen.

Zugfahrt nach Kamashi

Kilometerlang begleiten uns Felder mit wildem Mohn entlang der Strecke

 

Zugfahrt nach Kamashi

Von einer Plattform zwischen den Speisewaggons konnte man einigermaßen ruhig fotografieren

Bahnhof in Kamashi

Eine kräftige Diesellok an der Spitze des Registan-Sonderzuges

 

Bahnhof in Kamashi

Die Waggon-Betreuer von Nummer sieben und acht: Svetlana, Ekaterina und Daniil

Schahr-e Sabs

Die Statue von Tamerlan, dahinter die Reste des Palastes Ak Sarai - Weißes Schloss

 

Schahr-e Sabs

Moschee und Mausoleum Hasrati Imam - die Platane davor ist aus dem Jahr 1370

Schahr-e Sabs

Der gesamte Komplex Dar us Saadat besteht aus einer 70 x 50 m großen Anlage

 

Schahr-e Sabs

Die Gök Gumbas-Moschee gehört zu den bedeutendsten Bauwerken

Schahr-e Sabs

Freundliche und sehr neugierige Kinder begegnen uns oft bei den Besichtigungen

 

Schahr-e Sabs

Der Kaugummi stammt sicherlich aus der Tasche eines Touristen

Schahr-e Sabs

Am Provinzmarkt in der Stadt herrscht heute Hochbetrieb

 

Schahr-e Sabs

Und wird der Fotograf zu neugierig, gibt es eine Methode ihn zu erschrecken

Schahr-e Sabs

Bedenken beim Kauf von Fleisch gibt es nicht - es wird eh alles gekocht!

 

Bahnhof in Kitab

Überraschung bei unserer Rückkehr zum Zug: Wir werden heute am Bahnsteig verköstigt

Tashkent

Die Moschee Hasrati Imam hat Platz für 2500 Gläubige

 

Tashkent

Eine Pilgerstätte ist das Mausoleum Kaffal Schaschi gegenüber der Moschee

Tashkent

Im Chorsu-Basar herrscht orientalische Betriebsamkeit an jeder Ecke

 

Tashkent

Zum Teil unter freiem Himmel werden Obst und Gemüse frisch oder getrocknet angeboten

Tashkent

Schneider und Schuhmacher findet man im hinteren Teil des riesigen Basars

 

Tashkent

Vor dem Markt warten Dutzende Taxis auf Kundschaft

Tashkent

Nach dem verheerenden Erdbeben sind von den Russen wieder Hochbauten errichtet worden

 

Tashkent

Am Platz der Unabhängigkeit stehen heute etliche repräsentative öffentliche Gebäude

Tashkent

Konzerthallen, Opern- und Ballett-Theater sowie das Kongresshaus sind hier zu sehen

 

Tashkent

Und natürlich auch Timur hoch zu Ross, dahinter das Usbekistan Intourist Hotel

 

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