Hin und wieder passiert es, dass man auch in einem fremden Land eine Zeitung liest. Da kann es dann vorkommen, dass geplante Vorhaben, ja ganze Reiserouten durcheinander geraten. Aber nur wenn man so gründlich ist wie wir.

 

Verloren und gefunden
Alltag im amerikanischen Camperleben

Laut einem seriösen Bericht einer mittelamerikanischen Tageszeitung verlieren täglich zehn Millionen Amerikaner irgendeinen Gegenstand. Von diesen zehn Millionen Gegenständen werden aber nur neun Millionen wieder gefunden. Zwar nicht täglich, aber irgendwann. Diese Rechnung beweist, dass eine Million Gegenstände, diese wiederum täglich, im großen, weiten Amerika liegenbleiben. Ich weiß nicht, wie es gelungen ist, derart exakte Zahlen zu erhalten. Diese zeigen aber von einer beharrlichen Leichtsinnigkeit, das Land mit täglich einer Million Gegenstände zu versauen.

Kurz und gut, es sieht schlimm aus mit der Ordentlichkeit. Denn die Zeitung berichtet weiter, dass in dieser ungeheuren Zahl von verlorenen Gegenständen sich gut und gerne zwanzig Prozent befinden, welche „absichtlich“ verloren werden! Jawohl, so steht's – absichtlich verloren! Ich gehe jetzt davon aus, dass ich meinen Hausschlüssel nicht absichtlich verliere und auch meine Sonnenbrille nicht einfach aus dem Autofenster werfe. Bei Geld oder gar Kleidungsstücken bin ich äußerst vorsichtig, wobei ich zugeben muss, dass so mancher Socken nach dem Besuch einer „Laundry“ nicht mehr aufgetaucht ist. Aber das ist ja alles nicht absichtlich passiert! Wie also dann?

Wir beschließen dem auf den Grund zu gehen. Wir werden gründlich recherchieren und die absichtlichen Verlierer aufdecken. Die bevorstehende Reise mit unserem Truckcamper bietet sich für dieses Vorhaben nahezu ideal an. Allerdings wird es ein grenzüberschreitendes Projekt, denn außer in den Nordwesten der Vereinigten Staaten führt uns die Reise auch nach Kanada und hier bis in die Northwest Territories.

Nach vier Monaten haben wir ein Ergebnis das sich sehen lassen kann und das wir nun auch nicht länger verheimlichen wollen. Nämlich eine Liste aller gefundenen Gegenstände, die - absichtlich oder nicht - in der Landschaft herumgelegen sind:

 

Abdeckplane, Abwasserschlauch, Adapterstecker, Altöl versickert, Aluminiumfolie benützt, Angelhaken, Arbeitshandschuhe, Armbanduhr, Auspuffteile für PKW, Autofelgen, Autonummertafel, Autoreifen, Autowracks, Badeschlapfen Marke Reebok, Barbie Puppe, Baseball, Baseballmütze, Batterien groß und klein, Beilagscheiben, Bierdosen leer, Bierflasche voll, Bleistift, Bratpfanne, Brennholz gehackt, Campingsessel, Campingtoilette zerlegt, CD bespielt, Cola und sonstige Dosen leer, Fahrradteile, Feuerzeug, Flaschen ganz und zerbrochen, Frisbeescheibe, Gabel, Gaskartuschen leer, Geld in verschiedenen Währungen, Geschirrspülmittel, Glasbehälter, Grillrost, Gummimatte, Haarband, Haargummi, Haarschampoo, Handtuch, Hundefutter offen, Insektenschutzmittel, Isoliermaterial, Kaffeehäferl, Kanthölzer, Karabinerhaken, Kerzen, Kleiderbügel, Kleidungsstücke, Klopapier benützt, Klopapier unbenützt, Kochgeschirr, Kondome unbenützt, Konservendosen, Küchenabfall verschieden, Kugelschreiber, Lebensmittel diverse, Lesebrille, Lippenpflegestift, Löffel, Malfarbe im Kübel, Messer, Moskitonetz, Motoröldosen, Musikkassette, Objektivdeckel Nikon, Ohrclips, Ölfilter gebraucht, Papiertaschentücher beschneuzt, Pfannendeckel, Plastikbesteck, Plastikkiste, Plastikteile, Plastiktischtuch, Popcorn, Schlauchbinder diverse, Schmuckstein, Schrauben und Nägel, Schuhe, Schwimmer für Angelleine, Seife, Sicherheitsnadeln, Socken (leider nicht zu meinen einzelnen passend), Sonnenbrillen, Sonnencreme, Spielkarten nicht komplett, Spielzeugfiguren aus Plastik, Stahlfeder, Stricke und Leinen, Styropor in jeder Größe, Taschenmesser, Tennisball, Teppichreste, Tisch, Tomatensuppe, Trinkflaschen, T-Shirt, Turnschuh einzeln, Unterwäsche weiblich, Unterwasserschnorchel, Verkehrsschilder diverse, Wagenheber defekt, Waschmittel, Wasserball kaputt, Wasserschlauch, Windeln voll, Zahnbürste benützt, Zelthaken und Haringe, Zigarettenschachteln leer.

 

Habe ich zu viel versprochen? Nun will ich diese Liste auch an jene mittelamerikanische Zeitung schicken, die ja der Auslöser für unsere umfangreiche Recherche war. Leider habe ich den Artikel, wo die Adresse des Verlages hinten draufsteht verloren. Ganz bestimmt war es aber nicht Absicht – ehrlich!

 


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